Anteilseigner der Aachener PC-Kette legen Verkaufspläne vorerst auf Eis
Vobis ist auf dem Wege der Besserung

Wenn der Markt für Personalcomputer nicht mehr so satte Wachstumsraten vorweisen kann, so bezeichnet das Vobis-Chef Jürgen Rakow nicht gleich als PC-Krise: "Wir werden noch lange PC bauen, weil es einfach keine Geräte gibt, die leistungsfähiger und flexibler sind."

HB DÜSSELDORF. Die Antwort überrascht: "Gut, richtig gut läuft das Geschäft", versichert Dr. Jürgen Rakow, Vorstandschef der PC-Kette Vobis Microcomputer AG, Aachen. "Wir wachsen beim Umsatz, bei den Stückzahlen wie beim Rohertrag." Während im vierten Quartal 2000 der deutsche Markt für Personalcomputer, die sich private Kunden kaufen, um drei Prozent gewachsen sei, habe Vobis zwanzig Prozent mehr Rechner verkauft, erklärt Rakow. Im gesamten Jahr erreichte das Unternehmen (wie 1999) einen Umsatz von 1,1 Mrd. DM - "bei gleichzeitiger Bereinigung des Filialsystems".

Allerdings wollte Rakow in einem Gespräch mit dem Handelsblatt noch keine Aussagen zur Ertragssituation machen: "Die geben wir erst auf der Cebit bekannt." Die ergänzende Erklärung von Finanzvorstand Siegfried Raisin macht aber deutlich, dass Vobis wohl noch nicht - wie eigentlich geplant - schon wieder schwarzen Zahlen schreiben kann.

Das liege auch an den Kosten, die mit der neuen Ausrichtung von Vobis verbunden sind. "Wir haben mehrere Abschreibungs- und Investitionsbedürfnisse gehabt", sagt der Finanzmann. Zu den größeren Investitionen gehörte auch der Austausch der hauseigenen EDV, das alte SAP-R/3-System wurde durch die Software von Navision ersetzt; das kostete allein 11,8 Mill. DM.

Vobis, einst Schrittmacher des PC-Geschäfts, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Jahr 1998 sollte der komplette Vobis-Verbund mit Maxdata und Peacock noch an das US- Unternehmen CHS verkauft werden. Der Deal platzte, weil die Amerikaner den Kaufpreis nicht aufbrachten.

Teilung in vier Teile

Die Anteilseigner, damals vor allem der Metro-Konzern, teilten Vobis daraufhin in vier Teile. Die Produktion ging an Maxdata, der Großhandelspart Peacock an Actebis, die elf Auslandsgesellschaften wurden verkauft. Es blieben die Vobis-Läden, die Jürgen Rakow und Kompagnon Jürgen Bochmann - damals als große Franchisenehmer von Vobis-zu 25 Prozent plus einer Stimme übernahmen. Die restlichen Anteile liegen heute bei der CBA, einer Tochter der Divaco, bei der wiederum mehrheitlich die Metro, die Deutsche Bank und der Versicherer Gerling das Sagen haben. Diese hätten "derzeit keinerlei Verkaufsabsichten", weiß Rakow.

Inzwischen, so erklärt der Vobis- Chef weiter, greifen die Maßnahmen des seinerzeit erstellen Masterplans. Der sah eine "Optimierung der Standorte" für die Vobis-Läden vor. So sind von 198 Geschäften Anfang 2000 inzwischen knapp 150 übrig geblieben. Eigene Fertigungsstätten wurden in Eupen (Belgien) und Dresden wieder aufgebaut. "Damit haben wir unsere Wertschöpfungskette verlängert", beschreibt Rakow die Vorteile. "Wir können seitdem wesentlich flexibler handeln.." Aber nicht nur Geschäfte wurden geschlossen, sondern auch einige neu eröffnet. Von den derzeit 150 Verkaufsstellen werden rund 20 von Franchise-Nehmern betrieben, von den 130 eigenen Vobis-Läden sind 50 "Superstores".

Daneben hat Vobis das Direkt- und Projektgeschäft ausgebaut. Via Internet kann der Kunde direkt bei Vobis ordern. Im Projektgeschäft werden Discounter beliefert, die mit Verkaufsaktionen PC in großen Stückzahlen innerhalb weniger Tage absetzen. Namen der "Projektkunden" will Rakow hier nicht nennen - "das wird sehr diskret abgewickelt". Insgesamt machen das Direkt- und Projektgeschäft bereits die Hälfte des gesamten Geschäfts aus. Vobis ließ im vergangenen Jahr rund 500 000 PC zusammenbauen.

Nach Ansicht des Unternehmens ist der deutsche PC-Markt in den vergangenen beiden Jahren durch das aggressive Vorgehen von Fujitsu und später Fujitsu Siemens sowie die Verkaufsaktionen der Discounterketten wie Aldi und Lidl geprägt gewesen. "Der Hype, bei Aldi zu kaufen, ist aber ebenso vorbei wie die Aktionen von Fujitsu Siemens", schildert Rakow die augenblickliche Lage.

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