Anteilseigner der Großhandlung Hessenring drängen auf Auszahlung ihres Aktienpakets
Edeka-Genossen wollen Reformkurs des Vorstands vor Gericht stoppen

Beim Lebensmittelriesen Edeka gerät der Konzernumbau ins Stocken. Die Edeka-Großhandlung Hessenring will gegen die Aufspaltung der Edeka-Zentrale in eine Aktien- und Kommanditgesellschaft klagen. Denn sie befürchtet, dass sie hierdurch ihre unternehmerische Eigenständigkeit verliert.

lip HAMBURG. Die Umstrukturierung des Hamburger Lebensmittelriesens Edeka verzögert sich. Der Grund: Die Edeka-Großhandlung Hessenring will per Gericht die Neuausrichtung der Edeka-Zentrale AG stoppen, die auf der Hauptversammlung Ende Juni bereits beschlossen wurde. Dies erklärte ein Firmensprecher. Nähere Einzelheiten hierzu will das Unternehmen allerdings nicht bekannt geben.

Die Edeka Hessenring stemmt sich dagegen, dass die Edeka-Zentrale AG künftig in eine Aktiengesellschaft (AG) und eine Kommanditgesellschaft (KG) aufgespalten werden soll. Die Genossen befürchten, dass sie hierdurch ihre unternehmerischen Kontrollmöglichkeiten bei der Großhandlung verlieren, wenn ihre Gesellschaftsanteile in die KG eingebracht werden sollten.

Sie haben zudem Angst, dass durch die KG-Konstruktion der Einstieg von Fremdkapital erleichtert wird. Damit würde sich im Falle einer Kapitalerhöhung ihre Beteiligung weiter verwässern, falls sie bei einer Aufstockung des Gesellschaftskapitals nicht mitzeichnen sollten.

Struktur kann nicht mehr gekippt werden

Vor mehr als einem Jahr hatte der Edeka-Vorstandsvorsitzende Hermann Ruetz die gesellschaftsrechtliche Neuausrichtung der Edeka-Zentrale angeschoben, um notwendige unternehmerische Entscheidungen in den Großhandlungen schneller durchsetzen zu können. Künftig soll die AG alle Service- und Dienstleistungsfunktionen der Großhändler steuern, während die KG sämtliche Beteiligungen hält.

Mit dieser Lösung wollte Ruetz vor allem im Einkauf und Vertrieb eine einheitliche unternehmerische Linie unter den Großhändlern schaffen, um jährlich im Konzern jährlich 500 Mill. DM einzusparen. Bislang wurde dies dadurch verhindert, dass jede Großhandlung eigenständig und regionalbezogen agierte, ohne sich mit anderen Genossenschaften abzustimmen.

Sollte die Edeka-Großhandlung Hessenring mit ihrer Klage durchkommen, kann zwar die Struktur nicht mehr gekippt werden. Denn die als Komplementärin der KG auftretende AG ist inzwischen schon gegründet. Dennoch können die Genossen in diesem Fall auf eine Auszahlung ihrer achtprozentigen Beteiligung an der Edeka-Zentrale drängen.

Spielraum würde sich einengen

Damit würde sich aber der finanzielle Spielraum des Hamburger Lebensmittelriesens für weitere Akquisitionen oder Investitionen einengen. Denn der Konzern kann den Anteilskauf in Höhe eines "dreistelligen Millionenbetrag" angeblich nur mit Hilfe von Krediten finanzieren, ist in Unternehmenskreisen zu hören.

Damit dürfte aber die vom Vorstandsvorsitzenden favorisierte Aufstockung des derzeitigen Anteils an der Bielefelder Handelsgruppe AVA von 50 % minus einer Aktie möglicherweise vorerst vom Tisch sein. Auf der Bilanzpressekonferenz hatte Ruetz davon gesprochen, dass er einer Aufstockung des AVA-Anteils auf eine qualifizierte Mehrheit von 75 % für sinnvoll halte. Eine Entscheidung hierüber könne aber erst im Herbst fallen, hieß es damals.

Ein Teil des AVA-Aktienpaktes dürfte dabei von Thomas Bruch stammen. Der Chef der Handelsgruppe Globus hält rund 10,29 % an den Bielefeldern. Der Kurs der AVA-Aktie stieg am Freitag geringfügig um 0,5 % auf 37,25 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%