Anteilseigner stehen mit ihren Dividendeninteressen an letzter Stelle
Babcock-Aktionäre gehören zu den Verlierern der Insolvenz

Die Aktionäre des angeschlagenen Konzerns Babcock-Borsig gehören zu den Verlierern der Unternehmenspleite. Ihre Aktien dümpeln zurzeit bei einem Wert von unter einem Euro. Nur geringfügig erholte sich der Kurs gegenüber dem turbulenten Vortag.

HB DÜSSELDORF. Für die Anteilseigner ist nun von entscheidender Bedeutung, wie der vorläufige Insolvenzverwalter weiter vorgehen wird. Wird das Unternehmen insgesamt verkauft, wird der Erlös an die Gläubiger verteilt - eingetragene Sicherheiten werden sogar noch vorrangig befriedigt. Die Anteile erlöschen und bei der derzeitigen Lage des Konzerns dürfte nach der Verteilung des Erlöses an die Gläubiger noch etwas für die Anteilseigner übrig bleibt.

Bei Babcock zielen die guten Absichten jedoch auch nach dem Insolvenzantrag auf eine Fortführung und Sanierung des Unternehmens "innerhalb der Grenzen und Möglichkeiten des Insolvenzrechts". Man wolle sich auf das Kerngeschäftsfeld Energietechnik konzentrieren, die überlebensfähigen Teile des Konzerns und - vor allem - möglichst viele Arbeitsplätze erhalten. Das bedeutet: Die Babcock-Borsig AG bliebe als - wenngleich abgespeckte - Gesellschaft erhalten und damit sind die Aktionäre weiterhin die Anteilseigner. Dennoch: Allzu viel Hoffnung sollten sie auf ein Insolvenzverfahren nicht setzen. Denn erklärtes Ziel eines solchen Verfahrens ist - neben der Befreiung von restlichen Verbindlichkeiten - die "gemeinschaftliche Befriedigung der Gläubiger."

Die Aktionäre jedoch stehen mit ihren Dividendeninteressen an letzter Stelle, erklärt der Insolvenzrechtsexperte Reinhard Bork, Professor an der Universität Hamburg. Denn wenn der Verwalter im Insolvenzverfahren Geld an die Gläubiger verteilt, müssen zunächst all jene befriedigt werden, deren Forderungen gesichert sind: Wenn zum Beispiel ein Grundstück verkauft wird und ein Gläubiger hat sich zur Sicherung seiner Forderung eine Grundschuld eintragen lassen, so wird er zunächst aus dem Verkaufserlös bezahlt, bevor der Rest an die Gläubiger nach deren jeweiliger Quote verteilt wird. Erst wenn bei der Schlussverteilung, also nach dem Insolvenzverfahren, noch ein Überschuss verbleibt, wird dieser an die Anteilseigner ausgegeben.

So wird es darauf ankommen, ob und wie das Unternehmen im Insolvenzverfahren "verwertet" wird - also zu welchem Preis einzelne Teilbereiche verkauft werden. So lange diese auch in ihrem operativen Geschäft fortgeführt werden, Lieferanten und Mitarbeiter nicht abspringen, ist ein besserer Preis zu erzielen als bei einer vollständigen Zerschlagung des Unternehmens: Denn dabei werden die Einzelteile nach dem aktuellen Wert verwertet. Der Wert, den sie als fortgeführter Betrieb künftig erzielen könnten, spielt dabei keine Rolle mehr.

Auch bei Holzmann waren die Insolvenzverwalter zunächst optimistisch von einer Sanierung und Fortführung im Insolvenzverfahren ausgegangen. Doch es zeigt sich, dass dies so einfach nicht ist: Die Verhandlungen über die Übernahme zweier Töchter des Frankfurter Baukonzerns durch das niederländische Bauunternehmen Heijmans stocken zurzeit. Je länger die Verhandlungen dauern, desto mehr Mitarbeiter und Aufträge gehen verloren. Damit sinkt der Marktwert der einstigen "Assets" und auch die Hoffnung der Aktionäre, für ihre Holzmann-Papiere noch etwas zu bekommen. Der Aktienkurs ist inzwischen auf 0,50 Euro abgesackt.

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