Anteilstausch zwischen Stuttgart und Düsseldorf in der Debatte
Stuttgarter Landesbank will Einfluss ausbauen

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) denkt darüber nach, die Mehrheit an der Landesbank Rheinland-Pfalz zu übernehmen. Im Gespräch ist dabei ein Tausch der Anteile mit der WestLB. Die LBBW würde dadurch die Mehrheit an der Mainzer Bank bekommen. Die WestLB wiederum könnte ihre Anteile in Kiel aufstocken.

FRANKFURT/M./STUTTGART. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will ihre Beteiligungen neu ordnen. Die Strategie der 90er Jahre, Minderheitsbeteiligungen verschiedener Landesbanken zu erwerben, sei inzwischen nicht mehr sinnvoll, heißt es bei der LBBW. Die Stuttgarter wollen künftig Mehrheitsbeteiligungen, um tatsächlich mitbestimmen zu können. Derzeit ist die LBBW mit 12,5 % an der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) beteiligt und mit 10 % an der Landesbank Schleswig Holstein in Kiel. Bei der LBBW wird bestätigt, dass es Überlegungen gibt, an der Mainzer Bank die Mehrheit zu erwerben. Möglich wäre dies mit einem Tausch mit der WestLB, die 37,5 % der Anteile an der Mainzer Bank hält. Im Gegenzug würden die Düsseldorfer von der LBBW deren 10-Prozent-Paket an der Kieler Landesbank bekommen. Beide Anteilspakete gelten als ungefähr gleich viel wert. Die WestLB hat 40 % der Anteile an Kiel und könnte mit diesem Schritt die Mehrheit in Kiel erhalten. Beobachter halten es jedoch auch für denkbar, dass die WestLB in Kiel ganz aussteigen könnte.

Ein Sprecher der WestLB wollte sich zu diesen Überlegungen nicht äußern. Er bestätigte jedoch, dass die WestLB im nächsten Jahr alle ihre Beteiligungen auf den Prüfstand stellen will.

Auch die LRP in Mainz lehnte eine Stellungnahme ab. "Wir kommentieren die Überlegungen unserer Eigentümer nicht", sagte Banksprecher Jürgen Pitzer. Beim Sparkassenverband heißt es: "Wir verfolgen die Neuordnung der Beteiligungen von LBBW und WestLB mit großem Interesse", sagte Christiane Becker, Sprecherin des Sparkassen- und Giroverbandes Rheinland-Pfalz. "Offiziell haben wir aber noch kein Signal bekommen", so Becker weiter.

Die LBBW und die WestLB haben sich 1992 an den Landesbanken in Kiel und Mainz beteiligt. Das Ziel war, unter den vier Häusern Synergien zu heben. Um die Allianz stabil zu machen, wurden den Anteilseignern Vorkaufsrechte eingeräumt. Bei einem Anteilstausch zwischen LBBW und WestLB in Mainz hat deshalb auch der Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz sowie das Land Rheinland-Pfalz Mitspracherechte. Für die Entscheidung des Sparkassenverbandes dürfte auch die Frage eine Rolle spielen, ob es in der Zukunft einen regionalen Haftungsverbund von Sparkassen und Landesbank geben wird, und wie dieser ausgestaltet sein wird.

Der Druck auf die Landesbanken, ihre Beteiligungen neu zu ordnen, ist hoch. Denn damit verdienen sie kein Geld. Andreas Dombret, Geschäftsführer bei der Investmentbank JP Morgan, hält Minderheitsbeteiligungen für falsch: "Jeden Tag werden Werte vernichtet, weil die Verzinsung des Engagements deutlich unter den Kapitalkosten liegt, die die Institute für ihre Beteiligungen aufbringen müssen", sagte er dem Handelsblatt. So lässt sich unter bestimmten Annahmen und auf Basis der 2000er Geschäftsberichte die Rendite der WestLB für ihre Beteiligung an der LRP auf etwa 0,7 % und die der LBBW an Kiel auf nur 0,4 % schätzen. Die Refinanzierungskosten betragen aber mindestens 8 %.

Die Überlegungen in Stuttgart und in Mainz sind denn auch weiter, als dies offiziell eingeräumt wird. So wird über eine gemeinsame Wertpapierabwicklungsbank nachgedacht. Durch das Zusammenlegen ihrer Aktivitäten könnten beide Banken Geld sparen.

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