Anteilsverkauf soll vor Hauptversammlung stattfinden
Mobilcom-Verkauf in der Schwebe

Kurz vor der geplanten Übernahme ist Mobilcom tiefer in die Verlustzone gerutscht. Verantwortlich hierfür ist vor allem der Streit mit dem Großaktionär France Telecom. Er führte zu einem Einbruch im Mobilfunkgeschäft sowie hohen Rückstellungen. Die Analysten sind von der Entwicklung enttäuscht.

lip HB HAMBURG. Der Ausstieg des Firmengründers Gerhard Schmid aus der Büdelsdorfer Mobilcom AG verzögert sich. Danach wollte der Großaktionär seine knapp 40 %ige Beteiligung bereits vor Wochen an ein Bankenkonsortium abgeben.

Doch bislang ist nichts geschehen. In Finanzkreisen wird nun ein neuer Termin kolportiert. Danach soll der Anteilsverkauf kurz vor der Hauptversammlung von Mobilcom am 30. Mai erfolgen. Gerhard Schmid hielt sich hingegen am Dienstag auf einer Analystenkonferenz zu einem möglichen Zeitpunkt der Übernahme bedeckt. Er betonte dort lediglich, dass der Großaktionär France Telecom (FT) weiter an einer Lösung arbeite. Der Mobilcom-Kurs kletterte leicht auf knapp 17 Euro.

Dass sich der Anteilsverkauf hinzieht, liegt offenbar an der komplizierten Transaktion. Der Grund: der französischen Staatsriese will vermeiden, die Verbindlichkeiten von Mobilcom in Höhe rund 7 Mrd. Euro zu konsolidieren und will seinen Schuldenberg nicht vergrößern.

In Finanzkreisen wird aber noch ein anderer Grund genannt. Danach soll Gerhard Schmid Interesse an einer Übernahme der Internettochter Freenet haben, an der Mobilcom mehr als 70 % besitzt. Schmid will damit weiterhin beruflich aktiv bleiben. Ein Mobilcom-Sprecher wies dies aber als "reine Spekulation" zurück.

Dass sich FT von Freenet trennt, hält Frank Rothauge, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim, nicht für abwegig. "Es ist möglich, das sich France Telecom von Freenet trennt, um ihre Schulden zu verringern", meint der Analyst. Als mögliche Erwerber kämen seiner Ansicht nach neben Schmid auch der Internetanbieter Tiscali in Frage, der in Deutschland Fuß fassen will.

Unklar bleibt hingegen weiter, ob bei einer Übernahme von Mobilcom den Streubesitzaktionären ein Abfindungsabgebot wird. Dies wird derzeit vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) geprüft. Die Mobilcom AG zeigt sich hingegen in keiner guten Verfassung. So rutschte die Telefongesellschaft im 1. Quartal 2002 tiefer in die Verlustzone. Danach erhöhte sich der Fehlbetrag vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) einschließlich der Anlaufverluste aus dem UMTS-Mobilfunkgeschäft auf 120,7 Mill. Euro. Er lag im Vergleichsquartal des Vorjahres noch bei 34,8 Mill. Euro. Der Jahresfehlbetrag lag in den ersten drei Monaten bei knapp bei 117 Mill. Euro

Verantwortlich für den deutlichen Ergebnisrückgang sind der Einbruch im Mobilfunkgeschäft sowie Rückstellungen für den verschobenen Start des GPRS-Dienstes mit Eplus in Höhe von 77,5 Mill. Euro. Die Analysten zeigten sich von den Ergebnissen tief enttäuscht. "Die Entwicklung im Mobilfunkgeschäft bei Mobilcom ist ein Desaster", meint Analyst Rothauge. So sank die Kundenzahl im 1. Quartal 2002 gegenüber dem Vorquartal um mehr als 100000 auf 4,9 Millionen. Dadurch vergrößerte sich der Verlust auf Ebitda-Basis im 1. Quartal auf 21,5 Mill. Euro. Der Fehlbetrag im Vorquartal lag hingegen noch bei 11 Mill. Euro.

Werner Stäblein, Analyst bei der Frankfurter BHF-Bank, machte hierfür den Streit zwischen den Großaktionären um den UMTS-Netzaufbau verantwortlich. Er habe die Kunden verunsichert sowie die Vertriebsleistung geschwächt.

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