Anti-amerikanische Stimmung
Japan wirft US-Marine wegen Kollision Schlamperei vor

Die schwelende anti-amerikanische Stimmung in Japan hat durch die Hintergründe der Schiffskollision vor Hawaii neue Nahrung erhalten. Die Regierung in Tokio warf der US-Marine Schlamperei vor, weil bei bei dem fatalen Auftauchmanöver Zivilisten auf Kommandoposten des US-U-Bootes saßen.

Reuters TOKIO/WASHINGTON. Verteidigungsminister Toshitsugu Saito nannte am Freitag in Tokio das Verhalten der US-Marine empörend. Vor einer Woche hatte bei Haiwaii das U-Boot "Greeneville" beim Auftauchen ein japanisches Fischerei-Schiff gerammt und versenkt. Neun Japaner werden vermisst; sie sind wahrscheinlich tot. US-Präsident George W. Bush will die Richtlinien für die Anwesenheit von Zivilisten bei Manövern überprüfen lassen.

Der japanische Außenminister Yohei Kono sagte vor dem Parlament, seine Regierung werde weiterhin die USA drängen, die Suche nach den Vermissten fortzusetzen und das Schiff zu bergen. Unter den Vermissten sind vier 17-jährige Fischereischüler, die vermutlich tot und in dem Wrack eingeschlossen sind. Insgesamt waren an Bord des Trawlers 35 Menschen, darunter mehrere Fischerei-Schüler und ihre Lehrer.

Die US-Küstenwache hatte zunächst angekündigt, sie werde die Suche nach den Vermissten einstellen, später jedoch mitgeteilt, sie werde weitersuchen. Allein am Donnerstag sei ein Seegebiet von rund 1300 Quadratkilometern Fläche per Hubschrauber und Schiff abgesucht worden, teilte die Küstenwache mit. Insgesamt sei eine Fläche von mehr als 54 000 Quadratkilometern abgesucht worden. Die Küstenwache rechnet nach eigenen Angaben damit, nur noch Tote bergen zu können. Die US-Marine teilte mit, sie werde ihre Suche nach Überlebenden fortsetzen.

Zivilisten strikt überwacht

Nach Angaben der US-Marine wurden die beiden Zivilisten auf den Kommandoposten strikt überwacht. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge gibt es keine Beweise dafür, dass die Anwesenheit von Zivilisten an Bord der "Greeneville" zu der Kollision beigetragen hat. Das US-Verteidigungsministerium kündigte an, die Marine werde bis Ende der Woche einen ersten Untersuchungsbericht über das Unglück vorlegen. Bush sagte am Donnerstag in Washington, Rumsfeld solle die Bestimmungen für Anwesenheit von Zivilisten bei Militärübungen überprüfen lassen.

Die bilateralen Beziehungen zwischen Japan und den USA haben sich durch das Schiffsunglück weiter verschlechtert. Bereits zuvor waren sie angespannt, weil der Chef der auf der südjapanischen Insel Okinawa stationierten US-Truppen sich abfällig über die dortige Bevölkerung geäußert hatte. Generalleutnant Earl Hailstone hatte die Einheimischen in einer E-Mail an mehrere Offiziere als Spinner und Schwächlinge bezeichnet, sich später aber dafür entschuldigt. Der Stadtrat von Chatan auf Okinawa hatte daraufhin den Abzug des US-Militärs verlangt. In Japan sind insgesamt 48 000 US-Soldaten stationiert, etwa die Hälfte von ihnen auf Okinawa.

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