Anti-Taliban-Kämpfer nach Angriffen auf Tora Bora verletzt
USA: UN-Soldaten bis Samstag in Kabul

Die ersten Soldaten einer internationalen UN-Friedenstruppe für Afghanistan sollen nach US-Angaben bis zum Amtsantritt der neuen Regierung am Samstag in Kabul eintreffen.

afp KABUL. "Zumindest die Führung wird hier sein", kündigte der US-Sondergesandte James Dobbins am Montag in der afghanischen Hauptstadt an. Auch London äußerte die Hoffnung, bis "zu dem bedeutenden Datum" erste Soldaten entsenden zu können. Der künftige Regierungschef Hamid Karsai flog zu Gesprächen mit Ex-König Mohammed Sahir Schah nach Rom. Bei neuen US-Luftangriffen auf die Bergfestung Tora Bora wurden mehr als 20 Anti-Taliban-Kämpfer verletzt. Osama bin Laden blieb unauffindbar.

Beruhigung der Bevölkerung

Die Zahl der bis Samstag entsandten Soldaten werde vermutlich "nicht sehr groß" sein, sagte Dobbins. Die Ankunft der ersten Soldaten sei vor allem symbolischer Bedeutung und solle der Bevölkerung das Gefühl geben, dass die gegenwärtige Ruhe andauern werde, sagte Dobbins. Er war am Sonntag mit Karsai und dem künftigen Verteidigungsminister Kasim Fahim zusammengetroffen. Dabei hätten beide zugesagt, bei der Stationierung der Truppen mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, sagte Dobbins. Mit der Nordallianz werde aber weiter über Größe und Aufgaben der Friedenstruppe verhandelt.

Der EU-Sondergesandte für Afghanistan, Klaus-Peter Klaiber, forderte die Teilnehmerstaaten an der UN-Friedenstruppe zu Eile auf. Die Sicherheitslage in Afghanistan erlaube es der neuen Regierung nicht, ihre Arbeit ohne Schutztruppe aufzunehmen, sagte Klaiber in einem Zeitungsinterview. Eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates über das Mandat für die Friedenstruppe wurde für Dienstag oder Mittwoch erwartet. Großbritannien hat sich dazu bereit erklärt, die Führung der Truppe zu übernehmen.

Vor der US-Botschaft in Kabul wurden am Montag erstmals seit zwölf Jahren wieder die US-Flagge gehisst. Die US-Vertretung war 1989 kurz vor dem Abzug der Sowjettruppen geschlossen worden. Washington wolle sich diplomatisch, politisch und wirtschaftlich in Afghanistan engagieren, betonte Dobbins bei der Eröffnung der Botschaft. "Wir wollen hier bleiben."

Türkische Botschaft ebenfalls wieder eröffnet

Offiziell wieder eröffnet wurde auch die türkische Botschaft in Kabul. Ankara werde dem afghanischen Volk und der neuen Regierung beim Wiederaufbau der zivilen und militärischen Einrichtungen helfen, sagte der türkische Außenminister Ismail Cem. Bei einem Treffen mit dem scheidenden Präsidenten Burhanuddin Rabbani sagte Cem Hilfe beim Aufbau einer Polizeiakademie zu. Cem sollte außerdem den designierten Verteidigungsminister Fahim und den künftigen Innenminister Junis Kanuni treffen. Der paschtunische Monarchist und künftige Regierungschef Karsai wollte bei einem Zwischenstopp in London mit britischen Regierungsvertretern zusammentreffen. Am Dienstag werde er in Rom mit Sahir Schah Gespräche über die neue Regierung führen, sagte ein Sprecher des Ex-Königs.

Die US-Armee setzte ihre Bombenangriffe auf die Bergfestung Tora Bora in der Nacht zum Montag fort, obwohl afghanische Kommandeure zuvor erklärt hatten, die dort verschanzten El-Kaida-Kämpfer seien endgültig besiegt. Bei den neuen Luftangriffen wurden nach Angaben örtlicher Kommandeure bis zu 26 Anti-Taliban-Kämpfer verletzt. Berichte über einige Tote unter den Verbündeten der US-Truppen konnten zunächst nicht überprüft werden. Ein Sprecher der britischen Regierung sagte, "die Jagd" nach dem mutmaßlichen Terroristen Bin Laden gehe weiter. London vermute ihn immer noch in Afghanistan.

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