Archiv
Anti-Terror-Gesetz gegen Obdachlose

Die Anti-Terror-Gesetze in den USA treiben gelegentlich seltsame Blüten. Der 55-jährige Obdachlose Richard Kreimer kann ein Lied davon singen. Er und einige seiner Kollegen wurden aus dem Bahnhof des Städtchens Summit im Bundesstaat New Jersey vertrieben.

Die Anti-Terror-Gesetze in den USA treiben gelegentlich seltsame Blüten. Der 55-jährige Obdachlose Richard Kreimer kann ein Lied davon singen. Er und einige seiner Kollegen wurden aus dem Bahnhof des Städtchens Summit im Bundesstaat New Jersey vertrieben. Die Stadtverwaltung berief sich dabei auf den berüchtigten "Patriot Act", das wenige Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verabschiedete Gesetzespaket. Die Beamten zitierten einen Paragraphen, der sich mit "Angriffen und anderen Gewaltakten gegen den öffentlichen Personenverkehr" befasste.

Das war selbst dem US-Justizministerium zuviel. "Der 'Patriot Act' ist ein Instrument der Strafverfolgung, um Terroristen zu identifizieren und sie von Attacken auf Amerika abzuhalten", rüffelte Ministeriumssprecher Kevin Madden die hyper-eifrigen Stadtväter von Summit. "In diesem Fall wurde das Gesetz eindeutig überstrapaziert."

Richard Kreimer lässt die rüde Behandlung keineswegs auf sich sitzen: Er verklagte die Stadt Summit jetzt auf fünf Millionen Dollar Schmerzensgeld. Offensichtlich kennt sich der Mann im amerikanischen Justiz-Dschungel aus. Im Jahr 1991 erstritt er sich von der Gemeinde Morris Township fast 250 000 Dollar Schadenersatz, weil er aus der dortigen Bücherei geworfen wurde. Begründung der Verwaltung: Kreimer habe gestunken und Gäste mit Blicken belästigt.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%