Anträge kongolesischer Asylbewerber sollen zurückgestellt werden
Kabilas Leiche in Simbabwe aufgebahrt

rtr KINSHASA. Die Leiche des ermordeten kongolesischen Präsidenten Laurent Kabila ist am Freitag nach Augenzeugenberichten in einer Militärkapelle der simbabwischen Hauptstadt Harare aufgebahrt worden. Simbabwes Präsident Robert Mugabe, Militärs und Diplomaten hätten am Sarg Kabilas getrauert. Südafrika rief derweil die Konfliktparteien in dem Bürgerkriegsland auf, den Tod Kabilas als Chance für einen Friedensschluss zu begreifen. Aus dem Osten des Landes wurden indes neue Kämpfe gemeldet. Rebellen beschuldigten den Sohn des Toten und derzeitigen Machthaber, Joseph Kabila, die Bombardierung einer von ihnen kontrollieren Stadt im Norden des Landes angeordnet zu haben.

Der weiß-goldene Sarg Kabilas mit der kongolesischen Fahne sei unter Klagegesängen eines Frauenchors in die Kapelle gebracht worden, berichteten Augenzeugen. Kabilas Leiche wird nach simbabwischen Angaben am Samstag von Harare in die Demokratische Republik Kongo überführt, wo am Dienstag in der Hauptstadt Kinshasa die Beisetzung stattfinden soll. Der 61-Jährige war nach dem Attentat vom Dienstag zur Behandlung in das Nachbarland gebracht worden. Sein Tod wurde erst am Donnerstag offiziell von der kongolesischen Regierung bestätigt. Am Mittwoch hatte Kabilas 31-jähriger Sohn Joseph das Präsidentenamt übernommen. Zu Beginn einer 30-tägigen Staatstrauer wurden am Freitag in Kinshasa die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela forderte die Regierung und die Opposition im Kongo auf, sich zu Gesprächen über das Wohl des Landes zu treffen. Nach dem Sturz des Diktators Mobutu Sese Seko 1997 durch Kabila hätten viele darauf vertraut, dass dieser demokratische Wahlen vorbereiten würde. Diese Hoffnungen hätten sich leider nicht erfüllt, sagte Mandela. Sein Nachfolger Thabo Mbeki sprach sich für die rasche Umsetzung eines 1999 in Lusaka geschlossenen Friedensabkommens aus. Damals hatten die Kriegsparteien den Abzug aller ausländischen Soldaten aus dem Kongo vereinbart sowie die Stationierung von Truppen der Vereinten Nationen (UNO) und die Demokratisierung des Landes.

Bürgerkrieg seit 1998

An dem seit 1998 herrschenden Bürgerkrieg im Kongo sind mehrere afrikanische Staaten beteiligt. Ruanda und Uganda unterstützen die Rebellen, Simbabwe, Angola und Namibia die Regierung. Angola und Namibia kündigten am Freitag an, Tausende ihrer Soldaten im Kongo stationiert zu lassen. Angolas Präsident Jose Eduardo dos Santos und sein namibischer Kollege Sam Nujoma riefen nach einem Treffen in der angolanischen Hauptstadt Luanda zur Ruhe auf, um die Stabilität in Kinshasa und den von der Regierungsallianz kontrollierten Gebieten zu gewährleisten.

Eine von Ruanda unterstützte Rebellengruppe teilte mit, die Wahl von Kabilas Sohn zu dessen Nachfolger sei nicht akzeptabel. Mit einem Bombenangriff auf die von ihnen kontrollierte Stadt Basankusu im Norden habe der neue Machthaber das denkbar schlechteste Signal gesetzt. Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen wurden aus dem Nordosten des Landes an der Grenze zu Uganda gemeldet. Aus UNO-Kreisen verlautete, bei dem Kämpfen seien mindestens 59 Menschen ums Leben gekommen.

Unterdessen warnte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die deutschen Bundesländer vor Abschiebungen in den Kongo. Auch Entscheidungen über Anträge kongolesischer Asylbewerber sollten zurückgestellt werden, bis sich die innenpolitische Situation im Land geklärt und eine verlässliche Beurteilung der Gefahr politischer Verfolgung zulasse.

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