Antrag auf Ministererlaubnis zurückgezogen
Holtzbrinck verkauft den Tagesspiegel

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft die Berliner Zeitung "Tagesspiegel" an Pierre Gerckens, den Vizepräsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. Der Antrag auf eine Ministererlaubnis zur Übernahme der "Berliner Zeitung" wurde zurückgezogen.

HB STUTTGART/BERLIN. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkaufe den "Tagesspiegel" an den bisherigen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens, teilte das Unternehmen am Montag in Stuttgart mit. Da mit einer baldigen Ministererlaubnis für eine Kooperation von "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung" nicht mehr zu rechnen gewesen sei, habe sich die Verlagsgruppe zu dieser Lösung entschlossen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte die Entscheidung. Sein Ministerium geht davon aus, dass das Kartellamt nun den Verkauf des "Tagesspiegel" prüfen werde.

Nach der Verkaufsentscheidung scheide Gerckens mit sofortiger Wirkung aus dem Aufsichtsrat der Verlagsgruppe sowie allen anderen Verlagsgruppengremien aus, hieß es. "Ich freue mich auf eine selbstständige und unabhängige Verlegertätigkeit", erklärte Gerckens in einer eigenen Mitteilung.

Mit dem Verkauf des "Tagesspiegel" an Gerckens werde sicher gestellt, dass beide Unternehmen und beide Redaktionen erhalten blieben, sagte Clement in Berlin. Das sei eine gute Nachricht. "Ich kann das nur begrüßen." Mit dem Rückzug des Holtzbrinck-Antrages sei auch das Verfahren abgeschlossen, ob eine Kooperation der beiden Berliner Tageszeitungen überhaupt zulässig sei, sagte eine Sprecherin Clements. Das Kartellamt hatte die von Holtzbrinck angestrebte Übernahme der "Berliner Zeitung" untersagt, weil es durch einen solchen Schritt Beeinträchtigungen des Wettbewerbes am Berliner Zeitungsmarkt befürchtete. Holtzbrinck beantragte daraufhin eine Sondererlaubnis von Clement und begründete dies mit überragenden Vorteilen für das Gemeinwohl. Clement wollte bis Anfang Oktober über den Antrag entscheiden.

Clements Sprecherin sagte weiter, das Ministerium gehe davon aus, dass das Kartellamt auch den Verkauf des "Tagesspiegel" prüfen werde. Sie wollte sich nicht dazu äußern, ob der Name Gerckens im Verfahren um eine Ministererlaubnis für die Übernahme der "Berliner Zeitung" durch Holtzbrinck eine Rolle gespielt habe. Beim Kartellamt hieß es, der Verkauf des "Tagesspiegel" sei bislang noch nicht formell angemeldet worden. Das Amt stehe aber mit den Anwälten der Parteien in Kontakt. Wenn die Anmeldung vorliege, werde das Kartellamt diese prüfen.

Die deutschen Zeitungsverlage stehen wegen rückläufiger Werbeeinnahmen zunehmend unter finanziellem Druck. Zu der seit einigen Monaten geführten Diskussion zur Lockerung der Fusionskontrolle von Zeitungen will die Bundesregierung in Kürze eine Gesetzesnovelle einbringen.

Heftige Kritik vom Bauer-Verlag

Die Hamburger Verlagsgruppe Bauer hat den geplanten Verkauf des "Tagesspiegels" an Pierre Gerckens scharf kritisiert. "Damit sehen wir unsere Bedenken gegen den Verkaufsprozess bestätigt", sagte Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter am Montag in Hamburg. Holtzbrinck habe den "Tagesspiegel" offenkundig nicht wirklich verkaufen wollen.

"Sowohl andere Bieter als auch das Wirtschaftsministerium wurden an der Nase herumgeführt", sagte Fritzenkötter. Nun werde das Hamburger Verlagshaus seine weiteren Handlungsmöglichkeiten im Laufe der Woche prüfen. Bauer hatte sich ebenfalls stark um den Kauf des "Tagesspiegels" bemüht.

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