Antrag der Staatsanwaltschaft
Daum-Prozess: Anwälte sollen als Zeugen aussagen

Im Koblenzer Kokainprozess gegen den früheren Bundesliga-Trainer Christoph Daum hat es am Dienstag eine überraschende Wende gegeben. Das Gericht soll dem Verdacht nachgehen, Daums Anwälte hätten einen Zeugen bestechen wollen. Die Staatsanwaltschaft beantragte am fünften Verhandlungstag, Daums Rechtsanwälte als Zeugen zu vernehmen und an ihrer Stelle eine Pflichtverteidigung zu bestellen. Die Erste Große Strafkammer vertagte die Entscheidung darüber. Die Verteidigung sprach sich gegen den Antrag aus.

dpa KOBLENZ. Staatsanwalt Jörg Angerer sagte, Daums Anwälte hätten neuen Vernehmungen zufolge einem Zeugen zwei Millionen Mark versprochen, wenn er Deutschland für die Dauer des Prozesses verlasse. Der 15 Seiten starke Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einsetzung einer Pflichtverteidigung führte viele widersprüchliche Aussagen auf. Der zweite Staatsanwalt Ludger Griesar betonte, es müsse auch im Interesse von Daum sein, diese Widersprüche mit Hilfe von Zeugenaussagen seiner Verteidigung rasch zu klären.

Einer der Anwälte des 48-jährigen Fußballlehrers, Rolf Stankewitz, bezeichnete die von der Staatsanwaltschaft zitierte Aussage des nicht anwesenden Zeugen, die Daum-Verteidigung habe ihn bestechen wollen, als "ungeheuerliche Lüge". Der Zeuge sei ein arbeitsloser "Serienstraftäter", gegen den zahlreiche Ermittlungsverfahren gelaufen seien oder noch liefen. Spätestens seit September 2000 arbeite er für die Polizei als V-Mann, sagte Stankewitz.

Der Jurist bestätigte aber, dass ein Bekannter des Zeugen für dessen Abtauchen und in dessen Auftrag zwei Millionen Mark von Daum gefordert habe. Die Anwälte des Fußballlehrers hätten daraufhin in Köln Strafanzeige gegen den Zeugen erstattet. Der zweite Daum-Anwalt, Ralph Mayer, warf der Staatsanwaltschaft vor, mit den von ihr vorgetragenen neuen widersprüchlichen Vorwürfen den Coach «aus dem Rennen schießen» zu wollen. Die Verteidigung stelle Anzeige gegen Unbekannt wegen "übler Nachrede, Verleumdung und falscher Verdächtigung".

Daums dritter Anwalt, Nikolaus Schmitte, beantragte eine vorübergehende Aussetzung des Verfahrens, weil die Verteidigung erst die Akten der nun aufgenommenen Ermittlungen gegen den Zeugen einsehen müsse. Auch hierüber traf das Gericht vorerst keine Entscheidung. Laut Schmitte ist der beschuldigte Mann ein "zentraler Zeuge der Anklagebehörde", der von Bekannten als gewaltbereiter Waffenträger bezeichnet wird. Die Verteidigung sei daher in Sorge um "Leib und Leben» von Daum. Der Fußballtrainer selbst sagte am Rande des Prozesses, er wisse gar nicht mehr, in welchem Verfahren er sitze. Alles werde verdreht.

Die Anklage hält Daum neben dem unerlaubten Erwerb von jeweils drei bis fünf Gramm Kokain in 63 Fällen vor, die Beschaffung von 100 Gramm Kokain in Auftrag gegeben zu haben. Der 48-Jährige war im vergangenen Jahr nach dem Nachweis des Drogen-Missbrauchs als Trainer beim Bundesligisten Bayer Leverkusen entlassen worden und ist derzeit beim türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul tätig. Neben dem Fußballlehrer sitzen noch ein 55 Jahre alter Gastwirt und ein 40 Jahre alter ehemaliger Hotelmitarbeiter auf der Anklagebank. Auch ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Der bis Februar terminierte Prozess soll am 20. November mit der Vernehmung von drei Zeugen fortgesetzt werden.

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