Anwälte bereiten die Trennung vor – Experten: US-Mischkonzern ohne Fusion nicht überlebensfähig
Nach der Absage von GE könnte nun doch United Technologies Honeywell-Partner werden

Für den amerikanischen Mischkonzern Honeywell International ist das Scheitern der Übernahme durch General Electric (GE) ein Desaster. Jedoch muss das Unternehmen vermutlich nicht lange auf einen neuen Partner warten. Mit dem Flugzeugzulieferer United Technologies (UTC) steht bereits ein Interessent bereit, der nur auf seine Chance wartet.

rut/tor/coh BRÜSSEL/NEW YORK. "Sollte der Deal zwischen GE und Honeywell scheitern - wir stehen bereit", hat UTC-Chef George David in den letzten Wochen immer wieder bekräftigt. UTC hatte Honeywell bereits im letzten Jahr umworben und war sich im Herbst bereits handelseinig gewesen. Dann aber wurde UTC von GE überboten. Seitdem hat der Konzern aus Hartford/Connecticut nichts unversucht gelassen, den Deal zwischen GE und Honeywell in Brüssel zu torpedieren. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass UTC sein damaliges Angebot von 40 Mrd. $ erneuert. Denn inzwischen hat sich Honeywell zum Sonderpreis von etwa 39 Mrd. $ bei GE angedient.

Ein Zusammengehen von UTC und Honeywell benötigt ebenfalls den Segen der Kartellwächter diesseits und jenseits des Atlantiks. Da die beiden Unternehmen starke Positionen im Flugzeugzulieferbereich inne haben, dürften die Wettbewerbshüter auch in diesem Fall den Verkauf von Betriebsteilen fordern. Anders als GE verfügt UTC aber nicht über eine starke Stellung auf dem Markt für Flugzeug-Leasing, was eine Genehmigung erleichtern würde.

Bevor es so weit wäre, müssen GE und Honeywell ihre Verbindungen kappen. Reibungslos wird das nicht geschehen. GE hat sich vertraglich verpflichtet, alles zu unternehmen ("reasonable best efforts"), um die Transaktion zu ermöglichen. Honeywell hat offenbar den Eindruck gewonnen, dass GE seine Bemühungen inzwischen deutlich zurückgeschraubt hat. Anwälte auf beiden Seiten bereiten sich auf eine Auseinandersetzung vor. Nach einem Bericht des Wall Street Journal hat Honeywell den Staranwalt David Boies verpflichtet. Boies hatte die US-Regierung im Kartellverfahren gegen Microsoft vertreten. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit könnte somit ein Richter sprechen.

Obwohl ein Unternehmenssprecher auch gestern noch einmal bekräftigte, Honeywell sei für alle Fälle gerüstet, geht das Unternehmen schweren Zeiten entgegen. GE hat nach Angaben aus Brüsseler Industriekreisen nicht die Absicht, zu einem späteren Zeitpunkt auf das Fusionsvorhaben mit Honeywell noch einmal zurückzukommen. Ohne einen neuen Partner, da sind sich die meisten Experten einig, wird der Konzern nicht überleben.

Mit dem Rückzug von GE geht ein monatelanger Nervenkrieg zwischen dem amerikanischen Unternehmen und der EU-Kommission zu Ende. Dabei hatte GE eine Doppelstrategie verfolgt. Der US-Konzern hatte erst versucht, die EU-Kommission politisch unter Druck zu setzen. Als die EU-Kommission darauf nicht reagierte, kehrte GE schließlich in letzter Minute mit einem neuen Angebot an den Verhandlungstisch zurück, das von den EU-Kartellwächtern jedoch postwendend als nicht ausreichend zurückgewiesen wurde. EU-Kommissar Monti lehnt den Zusammenschluss ab, weil GE damit seine ohnehin schon sehr starke Position auf dem Triebwerkmarkt weiter ausbauen könnte.

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