Anwälte: Konstruktionsmängel für Pariser Unfall verantwortlich
Concorde-Bericht bestätigt Berechtigung des Flugverbots

afp PARIS. Nach der Veröffentlichung des ersten Berichts zur Concorde-Katastrophe erscheint eine Wiederaufnahme der Flüge mit den Überschalljets kaum noch vorstellbar. Der Bericht ziehe das Mitte August verhängte Startverbot für die Concorde nicht in Zweifel, sagte der Chef der Unfall-Untersuchungsstelle (BEA), Paul-Louis Arslanian, am Freitag in Paris. Bis ein umfassender Abschlussbericht vorgelegt werden könne, würden "mindestens einige Monate, wenn nicht Jahre" vergehen. Die Anwälte der Hinterbliebenen sehen sich durch den BEA-Bericht in der Einschätzung bestätigt, dass das Unglück "konstruktionsbedingt" war. Aus dem Bericht gehe hervor, dass die zum Absturz führende Kettenreaktion nur durch die besondere Bauweise der Concorde möglich gewesen sei, sagte der Opfer-Anwalt Christof Wellens aus Mönchengladbach.



Der 80-seitige Zwischenbericht bestätigt im wesentlichen den bisherigen Erkenntnisstand, wobei weiterhin wichtige Fragen ungeklärt bleiben. Nach wie vor kreisen die Ermittlungen um die Herkunft eines fremden Metallgegenstandes auf der Startbahn, der einen Reifen zum Platzen brachte und damit die katastrophale Kettenreaktion auslöste. "Die Elemente dieses Berichtes erlauben es nicht, die nötigen Änderungen zu bestimmen, um die Concorde-Flüge mit maximaler Sicherheit wieder aufnehmen zu können", sagte ein Luftfahrtexperte. Den Concorde-Maschinen von Air France und British Airways war vor zwei Wochen die Betriebserlaubnis entzogen worden. Als Grund nannten die Ermittler, dass sich durch einen platzenden Reifen eine ähnliche Katastrophe mit einer Concorde wiederholen könnte. Da jedoch das Platzen von Flugzeugreifen recht häufig vorkomme, sei das Sicherheitsrisiko zu hoch.



Der nun vorgelegte Bericht bestätigte diese Einschätzung. "Wir müssen herausfinden, wie er (der Metallgegenstand) auf die Startbahn kam", sagte BEA-Chef Arslanian. Die auf der Startbahn gefundene Metall-Lamelle ist 43 Zentimeter lang, enthält mehrere Löcher in unregelmäßigen Abständen sowie in der Luftfahrttechnik verwendete Nieten. Ungeklärt bleibt weiterhin, in welchem Zusammenhang die verschiedenen beim Start aufgetretenen Defekte stehen, was den Brand an den beiden linken Triebwerken auslöste und weshalb sie versagten. "Direkt oder indirekt" verursachten die Reifenfetzen dem Bericht zufolge "verschiedene Schäden an der Struktur und den Systemen des Flugzeuges". Ob Reifenfetzen die Tanks durchlöcherten oder in die Triebwerke einschlugen, ist dabei nach wie vor offen.



Der Hinterbliebenen-Anwalt Wellens stellte es hingegen als gesichert hin, dass Reifenteile die Tragflächen durchschlugen und so die fatale Kettenreaktion auslösten. Dies sei bei der Concorde-Maschine konstruktionsbedingt. Daher sei es "konsequent", dass der Concorde die Flugberechtigung aberkannt wurde. Die Anwälte der französischen Opfer, bei denen es sich zumeist um Grundstücks- und Immobilienbesitzer handelt, forderten nach der Veröffentlichung des BEA-Berichts eine nähere Untersuchung der Reifen, die von der US-Firma Goodyear hergestellt wurden. Bei dem Concorde-Unglück am 25. Juli kamen 113 Menschen ums Leben, zumeist deutsche Urlauber.

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