Anwälte rechnen mit Verhandlungsbeginn im Herbst
Telekom wird vor den Kadi gezogen

In den seit Frühjahr 2001 laufenden Klagen von Aktionären gegen die Deutsche Telekom wegen angeblich falscher Börsenprospekte könnte es im Herbst dieses Jahres erstmals zu einer öffentlichen Verhandelung vor dem Landgericht Frankfurt kommen.

Reuters TÜBINGEN/FRANKFURT. Die bei den Klagen gegen die Telekom gemeinsam auftretenden Rechtsanwaltskanzleien Tilp & Kälberer sowie Kuhlig teilten am Freitag in Tübingen mit, es sei von einem möglichen ersten Verhandlungstermin im Herbst dieses Jahres auszugehen.

Die im Frühjahr vergangenen Jahres eingereichten Klagen könnten wegen gesetzlicher Vorschriften und gerichtlicher Zuständigkeitsregeln nur von einer Kammer des Landgerichts Frankfurt bearbeitet werden. Die Arbeitsbelastung des zuständigen Kammervorsitzenden lasse eine frühere Behandlung der Prospekthaftungsklagen jedoch nicht zu, sagte Rechtsanwalt Andreas Tilp der Nachrichtenagentur Reuters in Tübingen.

Die Klagen richten sich gegen die Bewertung des Immobilien- und Anlagevermögens der Deutschen Telekom. Die Anwälte werfen dem Unternehmen unter anderem vor, seine Vermögenswerte falsch bilanziert zu haben. Nach Angaben der Kanzleien sollen Änderungen in der Bilanzierung der Vermögenswerte noch vor dem ersten Börsengang der Telekom im Jahr 1996 vorgenommenen worden sein. In den Verkaufsprospekten für die mittlerweile in drei Tranchen an die Börse gebrachten Telekom-Aktien hat es die Telekom den Angaben zufolge jedoch unterlassen, auf das Risiko einer möglichen Niedrigerbewertung einzelner Vermögenswerte hinzuweisen.

Anlass für den Verdacht falscher Börsenzulassungsprospekte sahen mehrere klagende Rechtsanwaltskanzleien darin, dass die Telekom erstmals im Frühjahr 2001 einen Abwertungsbedarf bei ihrem Immobilienbestand bekannt gegeben hatte. Insgesamt korrigierte die Telekom in zwei Schritten ihre Bewertung für Grund und Boden um insgesamt 2,5 Milliarden Euro nach unten, nachdem das Unternehmen seine Bewertungsmethode geändert hatte. Die Telekom sieht sich nach einer nun vorgenommenen Detailanalyse des Vermögensbestands darin bestätigt, dass die vorangegangenen Jahresabschlüsse korrekt waren und keine falschen Angaben gemacht wurden.

Ziel der gegen die Telekom laufenden Prospekthaftungsklagen ist die Rückzahlung des Kaufpreises für die in den Jahren 1999 und 2000 an die Börse gebrachten Telekom-Aktien. Für die Erstemission 1996 ist bereits die Verjährung eingetreten. Sollten die Klagen Erfolg haben, könnten die Aktionäre die Differenz zwischen den Emissionspreisen von 37,50 Euro beziehungsweise 63,50 Euro und dem dann aktuellen Kurs erstattet bekommen. Derzeit notieren die Aktien der Telekom mit 12,25 Euro knapp 20 Prozent unter dem Kurs, zu dem die Aktien im November 1996 erstmals an die Börse gebracht worden waren. Bislang ist in Deutschland nach Angaben der klagenden Rechtsanwaltskanzleien noch über keine der anhängigen Prospekthaftungsklagen gegen die Telekom oder gegen ein Unternehmen des Neuen Marktes endgültig entschieden worden.

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