Anwälte und Unternehmensberater sollen helfen
Kirch-Gruppe beruft Beraterstab

Die finanziell angeschlagene Mediengruppe Kirch setzt nun auf Berater von Außen, die dem Konzern bei Verhandlungen zum Schuldenabbau mit den Gläubigerbanken helfen sollen. In Bankenkreisen hieß es unterdessen, ein Tausch der Kredite in Anteile an Töchter der KirchGruppe stehe nicht zur Debatte.

Reuters MÜNCHEN. Die den Kirch-Konzern führende Taurus Holding habe drei ausgewiesene Spezialisten für die Neuordnung von Unternehmen engagiert, die das Management um Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn bei Gesprächen mit den acht Gläubigerbanken unterstützen sollen, teilte Kirch am Montag mit. Sie sollen sich zunächst auf die Lage bei dem tief in den roten Zahlen steckenden Bezahl-Fernsehsender Premiere konzentrieren. Der Einsatz der Berater war nach Angaben aus Bankenkreisen von den Instituten gefordert worden. Diese wollen ebenfalls einen gemeinsamen Vermittler einsetzen. "Jetzt beginnt die heiße Phase", hieß es in den Kreisen.

Der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt Wolfgang van Betteray, der Kölner Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg und der ebenfalls aus Köln stammende Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems sollen Kirch bei der Neuordnung des Konzerns helfen. Alle drei seien Spezialisten für den Umbau von Unternehmen, sagte ein Sprecher. Ihre erste Aufgabe sei die Überprüfung der Liquiditäts-Situation bei dem Bezahlfernseh-Sender Premiere und deren Auswirkungen auf den Gesamtkonzern. Premiere schreibt derzeit pro Tag rund 2 Mill. ? Verlust. Die acht Gläubigerbanken begrüßten die Ernennung, hieß es.

Kofler will Premiere in schwarze Zahlen führen

Der neue Premiere-Chef Georg Kofler will nach Angaben aus Unternehmenskreisen den Gesellschaftern des Pay-TV-Kanals bis zum Mittwoch einen Plan vorlegen, mit dem Premiere wieder in die Gewinnzone kommen soll. In einem Zeitungsinterview hatte Kofler erklärt, mit den Verkäufern der Film- und Fußball-Rechte über einen Preisnachlass verhandeln zu wollen. "Wir müssen unsere Vereinbarungen der Wirklichkeit anpassen", sagte Kofler der "Süddeutschen Zeitung". Ein Sprecher des Ligaverbandes DFL sagte in Frankfurt, Kirch habe sich noch nicht an ihn gewandt. "Es gibt im Moment keine Verhandlungen." Der Vertrag mit der Bundesliga laufe noch bis 2004.

Banken wollen Kredite nicht in Anteile tauschen

Eine Ablösung der 6,5 Mrd. ? umfassenden Kirch-Kredite von deutschen und ausländischen Banken durch die Übernahme von Anteilen an Premiere oder an der profitablen Rechtehandels- und Produktionstochter KirchMedia ist für die inländischen Gläubigerbanken und für Kirch selbst nach Angaben aus Kreisen kein Thema. "Das steht überhaupt nicht zur Debatte", hieß es in Kreisen der involvierten Banken. Auch aus dem Umfeld von Kirch verlautete, über eine solche Lösung sei nicht gesprochen worden.

Auch die Deutsche Bank habe ihren Widerstand gegen eine Rettung von Kirch weitgehend aufgegeben, hieß es in den Bankenkreisen. "Sie hat begriffen, dass der Krieg ohne die fünf anderen nicht zu gewinnen ist." Die restlichen Kreditgeber unter Führung der Hypo-Vereinsbank gelten in der Absicht als einig, eine Lösung für die Liquiditätskrise von Kirch zu finden. Die HVB hatte Kirch Branchenkreisen zufolge als ersten Schritt angeboten, das mit bis zu 1,2 Mrd. ? bewertete Paket von 40 % am Hamburger Verlagshaus Axel Springer zu übernehmen, um es später weiter zu verkaufen. Mit den Aktien ist ein Kredit der Deutschen Bank an Kirch besichert. Zu Kirchs größten Gläubigern zählen die Bayerische Landesbank mit 1,9 Mrd. ? sowie mit dreistelligen Millionensummen HVB, Deutsche Bank, DZ Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und die beiden US-Investmentbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan.

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