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Anwalt prüft bisher rund 50 Todesfälle nach Einnahme von Vioxx

Der Berliner Anwalt Andreas Schulz prüft im Auftrag von Hinterbliebenen bisher 40 bis 50 Todesfälle, die vermutlich auf die Einnahme des Medikaments Vioxx des US-Pharmakonzerns Merck & Co zurückgehen.

dpa-afx BERLIN. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz prüft im Auftrag von Hinterbliebenen bisher 40 bis 50 Todesfälle, die vermutlich auf die Einnahme des Medikaments Vioxx des US-Pharmakonzerns Merck & Co zurückgehen. Seit dem weltweiten Verkaufsstopp des Rheuma- und Schmerzmittels vor zwei Wochen hätten sich außerdem 120 bis 150 Betroffene an ihn gewandt, die von "sehr schweren" Nebenwirkungen des Medikaments berichteten, sagte Schulz der dpa am Mittwoch.

Seine Kanzlei erhalte täglich mehr als einhundert Anrufe von verunsicherten Patienten und deren Angehörigen. Vioxx erhöht einer Studie zufolge das Risiko von Herzattacken und Schlaganfällen. Bevor Betroffene Ansprüche gegen den Vioxx-Hersteller Merck anmelden könnten, müssten mögliche Nebenwirkungen des Medikaments aber in jedem Einzelfall geprüft werden, betonte Schulz. "Wir übernehmen die anwaltliche Vertretung nur, wenn uns ein Zusammenhang medizinisch und rechtlich plausibel erscheint." Dies könne mehrere Wochen dauern.

Schulz prüft nach eigenen Angaben Ansprüche auf Schadenersatz gegen den deutschen Merck-Ableger MSD Sharp & Dohme Gmbh und im Rahmen einer Sammelklage gegen den US-Mutterkonzern. Merck hatte mit dem so genannten COX-2-Hemmer Vioxx eines seiner wichtigsten Medikamente zurückgerufen, nachdem eine Studie eine Verdoppelung von Herzattacken und Schlaganfällen nachgewiesen hatte, wenn das Mittel mehr als 18 Monate eingenommen wurde. Eine erhöhte Todesrate im Vergleich zur Kontrollgruppe gab es nach Unternehmensangaben bei dieser Studie nicht.

Bundesinstitut Prüft 960 Fälle VON Nebenwirkungen MIT Vioxx

Bei dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) sind nach Aussage von Ulrich Hagemann, dem stellvertretenden Abteilungsleiter der Arzneimittelsicherheit, 960 Nebenwirkungsberichte zu Vioxx eingegangen. In 164 Fällen sei von der Zulassung im Jahr 1999 bis zum Verkaufsstopp Ende September von Nebenwirkungen in Zusammenhang mit Vioxx die Rede, sagte Hagemann der dpa-AFX. "Ein Verdacht auf Herzversagen wurde in 26 Fällen geäußert", erklärte der Experte. "Aus Deutschland haben wir bisher keinen Bericht aus dem ein sicherer ursächlicher Zusammenhang zwischen der Vioxx-Einnahme und einem Herzinfarkt hervorgeht", erklärte Hagemann. In zwölf Nebenwirkungsberichten würde Vioxx von Ärzten in Verbindung mit Herzinfarkt genannt.

In den USA, wo Vioxx ebenfalls seit 1999 auf dem Markt ist, ist kurz nach dem Verkaufsstopp bereits eine erste Sammelklage eingegangen. Die Anwaltskanzleien Federman & Sherwood und Strong sowie Martin & Associates haben die Klage bei einem US-Bundesgericht in Oklahoma-City eingereicht. Darin wird dem Konzern vorgeworfen, Öffentlichkeit und Gesundheitsdienstleister nicht über die Risiken von Vioxx informiert zu haben. Der US-Konzern hatte 2003 mit Vioxx einen Umsatz von 2,5 Mrd. Dollar bei einem Gesamtumsatz von 22,5 Mrd. Dollar verbucht. Vioxx zählt damit unter Experten als der größte freiwillige Rückruf eines Medikaments in der Pharmabranche.

Weitere Klagen IN Kanada

In der vergangenen Woche wurde in Kanada von der Anwaltskanzlei Rocon Genova LLP eine Sammelklage beim Gericht in Ontario eingereicht. Weitere Klagen sind nach Angaben der Kanzlei in Ontario, British Columbia und Saskatchewan anhängig.

Die Anwaltskanzlei Parker & Waichman LLP unterhält in der Zwischenzeit eine Website (www.vioxx-side-effects.com), auf der Patienten sich über die Nebenwirkungen des einstigen Kassenschlagers und die Angebote der Kanzlei informieren können.

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