Anwaltskammer München finanziert Kampf gegen Rankings
Anwalts-Ranglisten beschäftigt Verfassungsgericht

Der Streit zwischen Anwälten und dem Juve Verlag um die Zulässigkeit von Anwalts-Ranglisten wird bald das Bundesverfassungsgericht beschäftigen. In dem Verfahren geht es darum, ob die Rankings nur im Text oder auch in Tabellenform erlaubt sind.

DÜSSELDORF. Das Oberlandesgericht München hat dem Verlag die Tabellen mit Kanzleinamen verboten. Jetzt hat der Bundesgerichtshof die Revision des Falles abgelehnt. Der Verlag will deshalb Verfassungsbeschwerde einlegen.

Der Kölner Juve Verlag ist darauf spezialisiert, den deutschen Anwaltsmarkt für die Mandanten sowie für die Anwaltszunft selbst transparent zu machen. Die Geschäftsidee stammt aus Großbritannien und USA, wo es eine ganze Reihe von Publikationen gibt, die Advokaten bewerten. Diese Rankings haben eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, weil Unternehmensjuristen und Investmentbanker sie nutzen, wenn sie Anwälte beauftragen.

Was im angelsächsischen Raum seit 15 Jahren gang und gäbe ist, erhitzt hier zu Lande immer noch manche Gemüter. Zu ihnen gehört die aus 14 Anwälten bestehende Münchner Sozietät Kaufmann und Partner, die das "Handbuch der Wirtschaftskanzleien" des Juve-Verlags attackiert. "Die Kosten der Verfahren zahlte übrigens die Anwaltskammer München", sagte Anwalt Kaufmann dem Handelsblatt.

"Zunächst hatten die Münchner versucht, das Juve-Handbuch insgesamt verbieten zu lassen", erläutert Juve-Herausgeberin Astrid Gerber. Dem stand jedoch die Pressefreiheit entgegen. Das Oberlandesgericht München verbot dem Verlag nur, Anwälte in Tabellen aufzulisten. "Wir wollen beim Bundesverfassungsgericht eine einstellige Anordnung erwirken, um weiter Tabellen drucken zu dürfen", sagt Gerber. Ob das nächste Handbuch im Herbst sonst ohne Rankings erscheine, sei noch unklar. Kläger Kaufmann jedenfalls triumphiert: "Die Folgen sind für den Verlag drastisch."

All zu viel erreicht haben die Münchner Juristen damit praktisch jedoch nicht: Das "Juve-Handbuch" darf weiter erscheinen. Die namhaftesten Anwälte herauszufinden, dauert nur etwas länger, denn im Text werden diese ohnehin beurteilt. Zudem gibt es immer noch internationale Werke wie "Global Chambers" vom britischen Chambers Verlag, die auch den hiesigen Anwaltsmarkt transparent machen.

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