Anwaltskanzlei Clifford Chance Pünder unter Beschuss
Enron-Mitarbeiter bangen um Ansparpläne

"Wir waren unseren Job los, aber wir sagten: Gut, dass wir wenigstens das Geld haben", erbittert sich Manfred Ungethüm. Der einstige Mitarbeiter des pleite gegangenen US-Energieriesen Enron ist stinksauer

HB DÜSSELDORF. Er und seine Kollegen hatten einen Teil ihres Gehalts in Form von Ansparplänen bekommen. Für Manfred Ungethüm geht es immerhin um 100 000 DM. Das Geld ist noch da, es liegt auf einem Konto bei der Frankfurter Bethmann-Bank. Doch die Ex-Enron-Beschäftigten kommen nicht ran.

Was ist passiert? Kurz vor der Pleite hatte der Geschäftsführer von Enron Deutschland die Londoner Europazentrale angewiesen, die Rückstellungen für die Ansparpläne auf ein Treuhandkonto zu überweisen. Zweck der Operation: Das Geld der Mitarbeiter sollte vor der Insolvenz geschützt werden. Am 27. 11. 2001 überwies Enron Europe Ltd. in London einen Betrag von 562 421, 06 Euro auf ein Anderkonto der Anwaltskanzlei Clifford Chance Pünder (CCP).

Dort liegt das Geld noch heute. Man prüfe noch, "ob und an wen" der Betrag auszuzahlen sei, schrieb der Clifford-Chance-Anwalt Kersten von Schenck Ende Januar an Ungethüms Anwalt Ulrich Vetter. Dieser bezweifelt, dass die Kanzlei das Geld freiwillig rausrücken wird: CCP habe selbst massive Ausfälle durch die Enron-Pleite, mutmaßt Anwalt Vetter. "Die wollen sich nicht in die lange Reihe der Gläubiger einreihen."

"Meines Erachtens sind die Rechte von CCP an diesem Geld gleich Null", sagt Thomas Fiedler aus der Frankfurter Kanzlei des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann. "Die sind nur als Zahlstelle eingeschaltet worden." Es spreche sehr viel dafür, dass das Geld nicht in die Insolvenzmasse fällt, sondern an die Mitarbeiter ausgezahlt werden muss.

Bei CCP, einer der größten und angesehensten Anwaltskanzleien der Welt, hüllt man sich in Schweigen - und beruft sich auf das Anwaltsgeheimnis. In dem Briefwechsel mit Vetter heißt es aber, man habe Bedenken, ob nicht eventuell der Insolvenzverwalter von Enron Europe in London Anspruch auf den Betrag habe - Enron Europe habe schließlich das Geld überwiesen.

Das Geld sei aber aus Bilanzrückstellungen der deutschen Enron gekommen, sagt ein weiterer Ex-Enron-Mitarbeiter. In London sei lediglich der zentrale Cash-Pool der europäischen Enron-Töchter gewesen, daher sei die Auszahlung über die Londoner Zentrale gelaufen. "Die haben mit London überhaupt nichts zu tun"

Inzwischen sei die Frage, ob CCP mit eigenen Forderungen aufrechnen könne, intern vom Tisch, berichtet Fiedler. Jetzt hänge alles an der Frage, ob die Londoner Insolvenzverwalter Anspruch erheben wollen. Doch die "kommen nicht zu Potte", so Fiedler. "Die prüfen und prüfen und prüfen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%