Anwaltskosten und Extrasteuern könnten Unternehmen schaden
Fast-Food-Firmen droht Prozesswelle

Die US-Gesundheitsbehörden schlagen Alarm: Zwei von drei Amerikanern sind übergewichtig; jeder dritte ist sogar fettleibig. Die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen hat sich seit 1980 verdreifacht. Die Betroffenen haben die Schuldigen schon ausgemacht: die Fast-Food-Anbieter.

NEW YORK. So reichten die 19-jährige Jazlyn Bradley und die 14-jährige Ashley Pelman aus der Bronx, die beide jeweils mehr als 100 Kilo auf die Waage bringen, Klage gegen McDonald?s ein. Die Teenager werfen der Fast-Food-Firma vor, sie mit Burger und Fritten fett gemacht zu haben. Im Juli hatte bereits der 56-jährige Caesar Barber aus Brooklyn McDonald?s verklagt. Er nannte in seiner Klage auch gleich Burger King, KFC und Wendy?s. Auch er wirft den Hamburger-Verkäufern vor, ihn dick gemacht und nicht vor den Gesundheitsrisiken gewarnt zu haben.

Die Marketingabteilungen der Unternehmen spielen die Klagen zwar als irrelevant herunter. Und auch die Öffentlichkeit hat meist nur ein Schmunzeln dafür übrig. Aber immer mehr Fachleute nehmen die Auseinandersetzungen ernst - nach den Tabak- und Asbestklagen, die sich als sehr kostspielig herausgestellt haben.

Nach einer Studie der Investmentbank UBS Warburg "besteht ein eindeutiges Langfristrisiko für die Hersteller von Fast Food, Soft Drinks und Snacks, dass Anti-Fettsucht-Maßnahmen die Chancen einschränken, ihre Umsätze in Zukunft zu steigern". Es sei zwar unmöglich, bereits zu sagen, ob die Klagen je Bestand hätten, schreibt Jason Streets von UBS Warburg. Aber das Klima habe sich geändert.

"Es gibt einige entscheidende Ähnlichkeiten" zu den Tabakklagen, sagt Richard Daynard, Leiter des Tabak-Produkthaftungsprojekts an der Northeastern University Law School. Dazu gehörten "unter anderem das Marketing gegenüber Kindern und das Einstellen von Wissenschaftlern, um die Vorwürfe über ungesunde Eigenschaften bestimmter Zutaten zu entkräften".

Dass hinter den neuen Klagen erneut der Name John Banzhaf steckt, lässt wahrscheinlich auch so manchen Manager erzittern. Der Professor der George Washington University in Washington, der den Klägern kostenlos als Berater zur Seite steht, gehörte in den 60er Jahren zu den Pionieren der Tabakklagen. Diese haben in den USA 1998 zu dem Grundsatzabkommen geführt, nach dem die Tabakkonzerne den Bundesstaaten über 25 Jahre mehr als 200 Mrd. $ zahlen müssen. Außerdem laufen Einzel- und Sammelklagen von Ex-Rauchern. Die Tabakprozesse drehten sich in dem Moment zu Gunsten der Kläger, als sich die US-Regierung wegen der hohen Gesundheitskosten für Ex-Raucher auf die Seite der Kläger schlug. Ähnliches könnte auch den Fast-Food-Anbietern passieren.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind in den USA jährlich 300 000 Todesfälle auf Übergewicht oder Fettleibigkeit zurückzuführen. Mit Übergewicht zusammenhängende Krankheiten machen 7 % der Gesundheitskosten in den USA aus.

"Auch wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht eindeutig sind, können Produkthaftungsklagen erfolgreich sein. Das haben die Klagen gegen Brustimplantate gezeigt", erklärt Willis Emmons, Professor an der McDonough School of Business der Georgetown University. Emmons weist auf die enormen Anwalts- und Gerichtskosten hin, die den Unternehmen entstehen. Anders als in Deutschland bleibt der Prozessgewinner in den USA auf seinen Anwaltskosten sitzen.

Auch wenn es nicht zu großen Prozessen kommen sollte, sieht UBS Warburg die Unternehmen gefährdet. Es gibt bereits Politiker, die Extrasteuern auf ungesunde Produkte fordern oder die Werbung für die Zielgruppe Kinder einschränken wollen. In Los Angeles sind bereits Softdrinkautomaten an den Schulen verboten.

Die Fast-Food-Ketten reagieren bereits mit Alternativangeboten: So will McDonald?s gesünderes Öl benutzen. Und Pepsico wirbt nun mit dem Aerobic-Pionier Ken Cooper für gesündere Snacks und Getränke.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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