Anwendungen rund um Windows XP sollen Erfolg werden
Archiv: Microsoft will die Wohnzimmer erobern

Die Vision vom vernetzten Haus lockt Microsoft. Lisa Brummel und ihr Team von der Home and Retail Division arbeiten daran, dass der Software-Gigant auch bei Spiel und Spaß daheim den Standard setzt.

HAMBURG. Die Büros hat Microsoft fest in der Hand - nun läuft der Angriff auf die Wohn- und Kinderzimmer. "Der Konsumentenmarkt ist der nächste große Schauplatz", sagt Lisa Brummel. Sie ist als Vizepräsidentin der Microsoft Corp. für die Strategie bei Konsum-Hardware und-software verantwortlich. Basis für den Vorstoß ist das Betriebssystem Windows XP, das sich immer stärker in Richtung Multimedia-Werkzeug entwickelt.

Die Strategie ist die gleiche wie bei der Bürosoftware: Ausgehend vom Betriebssystem erobert Microsoft bei einer Anwendungssoftware nach der anderen die dominierende Stellung. Einer der ersten Schritte war der erfolgreiche Angriff auf Real Networks, den Hersteller der früher marktbeherrschenden Software "Real Player" zum Abspielen von Filmspots und Musik auf dem PC. Brummels Home and Retail Division soll jetzt die Applikationen entwickeln, die es Windows XP ermöglichen, Erfolge wie die des Bürosoftware- Pakets "MS Office" zu wiederholen. Schon jetzt liegen die Gewinnspannen bei Windows XP um die 80 %.

Noch ist Microsoft auf den privaten Rechnern weniger vertreten als auf den Bürocomputern. Das soll sich ändern. "Die Menschen wollen online miteinander kommunizieren, spielen und Medien kreativ nutzen", sagt Brummel. Diesen Trend, der durch immer leistungsfähigere Breitband-Internetzugänge angeheizt wird, will Microsoft als Einfallstor nutzen. Wer diese Bereiche abdecke, werde die Schlüsselpositionen der Home-PC-Software besetzen.

Heute gibt es noch viele unterschiedliche Softwarepakte für die gerade beginnende Vernetzung des Heims und für Internetzugänge. Doch Microsoft will Anwendungen wie Foto, Video und Musik, Terminverwaltung und Messaging, also das Versenden von Kurznachrichten in einem umfassenden Microsoft-Multimedia-Tool auf Basis von Windows XP bündeln. In den USA verkauft Microsoft seit zwei Monaten an Privatanwender ein Paket aus einem Netz-Router zur Verknüpfung aller internetfähigen Geräte im Haus und einer Software, die eine automatische Breitband-Anbindung ohne Konfiguration ermöglicht - das vernetzte Haus ohne Installationsaufwand also.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Seit 1998 treibt der Unterhaltungsriese Sony sein Konzept "Vaio World" voran - der PC Vaio als Schaltstelle für die Heimunterhaltung. Dafür hat sich Sony eng mit dem Internet-Riesen AOL zusammengetan, der Microsoft einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft bei Internet-Zugängen liefert. Auf der Computermesse Comdex präsentierte auch Elektronikriese Philips eine breite Palette vernetzbarer Geräte der Unterhaltungselektronik.

Für diesen neuen Markt will Microsoft die Software liefern. "In zwei bis drei Jahren", so Lisa Brummel "werden wir mit einer umfassenden Palette entsprechender Software auf den Markt sein." Konzerngründer Bill Gates hatte auf der Comdex bereits angekündigt, Microsoft-Software bis in den Reisewecker und die Armbanduhr zu bringen.

Noch hat das Geschäft mit Home- Software und der dazugehörigen Hardware wie Mäusen und Tastaturen mit rund einer Milliarde Dollar pro Geschäftsjahr für Microsoft eher bescheidene Dimensionen. Doch die Wachstumsraten sind hoch und die Sparte ist laut Lisa Brummel schon jetzt "im Maßstab der wichtigsten Bereiche profitabel." Das dürften also Margen um 50 % sein. Dass die Sparte im vergangenen Quartal 177 Mill. $ Verlust gemacht hat, ist fast ausschließlich auf die Einführung der Spielekonsole X-Box zurückzuführen. Sie ist das zweite Standbein für Microsofts Angriff auf den Endkundenmarkt. Auch hier heißt der Gegner Sony. Noch scheint Sonys Playstation 2 uneinholbar. Doch Microsoft hat einen langen Atem: "Warten wir mal auf die X-Box 2", heißt es im Konzern lapidar.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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