Anzahl der Wetten auf fallende Notierungen liefert interessante Informationen
Kursanstieg lässt viele Leerverkäufer zittern

Wenn Aktien ohne fundamentalen Grund fallen, werden oft Leerverkäufe dafür verantwortlich gemacht. Erholt sich die Börse aber wieder, müssen die Spekulanten die Aktien schnell zurück kaufen, was die Kurse zusätzlich in die Höhe treibt. Kennzahlen geben Anlegern Anhaltspunkte, wann dies der Fall sein könnte.

DÜSSELDORF. Darauf haben viele Investoren gewartet: Endlich steigt die Nokia-Aktie wieder. Doch die Erholung macht nicht allen Anlegern Freude. Leerverkäufer - im Fachjargon "Short Seller" - haben auf weiter fallende Kurse gewettet. Für sie hagelt es Verluste, wenn die Erholung nachhaltig ist. "Einige Shortys werden jetzt ziemlich nervös", sagt Stephen Poetzsch, Chefhändler bei der CSFB in Frankfurt.

Das Geschäft mit den Leerverkäufen funktioniert folgendermaßen: Ein Investor leiht sich bei einem Händler, einer Bank oder einer Anlagegesellschaft Aktien gegen eine Gebühr. Die Papiere verkauft er an der Börse. Sinkt der Aktienkurs danach, geht seine Spekulation auf. Er kauft die Papiere zu einem niedrigeren Preis an der Börse und gibt sie seinem Leihgeber zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufkurs ist sein Gewinn. Steigt die Aktie hingegen, wird es problematisch, denn spätestens am Ende der Leihfrist muss sich der Spekulant die Aktien am Markt besorgen und dem Besitzer zurück geben - egal wie hoch die Aktie mittlerweile notiert. Sind viele Short- Seller bei einer Aktie auf dem falschen Fuß erwischt worden, kann das den Aufwärtstrend noch verstärken, weil sie die Aktien kaufen müssen und damit den Kurs weiter in die Höhe treiben, was wiederum neue Leerverkäufer in die Enge treibt - Experten sprechen von einem "Short Squeeze".

Des einen Leid, des anderen Freud: Aktienbesitzer profitieren in solchen Situationen von einem rasanten Kursanstieg. Doch können Investoren erkennen, bei welchen Titeln ein Short- Squeeze bevorsteht? Interessante Anhaltspunkte liefern die monatlichen Berichte der US-Börsen. Generell ist die Zahl der Leerverkäufe an der New Yorker Börse seit September 2000 stark gestiegen. In der Statistik ist für jeden Wert außerdem aufgelistet, wie viele Aktien des Unternehmens im vergangenen Monat leer verkauft wurden - Banken und Brokerfirmen müssen die Zahl der verliehenen Titel monatlich melden.

Aus dieser Information lässt sich die so genannte Short-Interest-Ratio bilden. Bei dieser Kennzahl wird die Anzahl der leerverkauften Papiere durch den durchschnittlichen Tagesumsatz dividiert. Sie gibt also an, wie viele Tage es dauern würde, bis alle leerverkauften Aktien zurückgekauft wären. Je höher diese Zahl ausfällt, umso mehr Shortpositionen gibt es.

Interpretation der Short-Interest-Ratio nicht einfach

Experten raten allerdings davon ab, Aktien nur deshalb zu kaufen, weil viele Leer-Positionen vorhanden sind. "Die Interpretation der Short-Interest- Ratio ist nicht einfach", sagt Ingo Hillen, Vorstand des auf besonders aktive Kunden spezialisierten Brokers Sino. Hohe Short-Positionen müssen nicht unbedingt darauf hindeuten, dass sich bald viele Leerverkäufer mit Aktien eindecken müssen und der Wert steigt. "Sie kann auch anzeigen, dass viele Marktteilnehmer die Aktie für überbewertet halten und der Kursrutsch erst noch kommt".

Wenn kapitalstarke Hedge-Fonds sich einen Wert vornehmen, kann dies eine Aktie zum Beispiel stark belasten. Interessant ist daher besonders die monatliche Veränderung der Short-Interest-Ratio in Kombination mit anderen Indizien: "Wenn eine Aktie zuvor einen starken Anstieg hingelegt hat, der fundamental eher zweifelhaft ist, und die Leerverkäufe nehmen stark zu, kann das auf einen bevorstehenden Kursrückgang hindeuten", sagt Hillen. Dann sollten Anleger handeln. Der klassische Leerverkauf wird in Deutschland allerdings nur vereinzelt Privatanlegern angeboten. Mit Optionsscheinen können jedoch auch sie auf fallende Notierungen setzen. Wer das Papier ohnehin besitzt, kann es einfach verkaufen.

Problematisch ist allerdings, dass Anlegern die Leerverkaufs-Informationen nur für Werte zu Verfügung stehen, die in den USA gelistet sind. Die Deutsche Börse hält bislang keine Daten über die Leerverkäufe bereit. "Dabei ist die Short-Interest-Ratio ist eine sehr interessante Zusatzinformation, die auch für deutsche Werte sinnvoll wäre", sagt Händler Poetzsch.

Internet-Adressen: www.nyse.com, www.nasdaq.com, www.shortinterest.com

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