Anzeichen auf eine Annäherung
Mobilcom-Rettung vertagt

Trotz Anzeichen auf eine Annäherung und stundenlanger Verhandlungen haben der frühere Mobilcom-Chef Gerhard Schmid und die Bundesregierung bis Mittwochabend zunächst keine Lösung bei der umstrittenen Verwaltung von Schmids Anteilen gefunden. Die Gespräche sind darauf unterbrochen worden und würden am Donnerstag fortgesetzt, sagte eine Sprecherin von Schmid.

Reuters HAMBURG. Das angeschlagene Mobilfunkunternehmen steuerte damit weiter auf eine mögliche Insolvenz zu. Die Vereinbarung mit Schmid gilt als zentraler Bestandteil eines bereits ausgehandelten Rettungskonzepts in Milliardenhöhe.

Letzter verbliebener Streitpunkt in den Verhandlungen sei die Person des Treuhänders, auf die Schmids Anteile übertragen werden solle, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus verhandlungsnahen Kreisen. Den Angaben zufolge wurde ein Modell mit zwei gleichberechtigten Treuhändern inzwischen verworfen. Beide Seiten bekräftigten aber ihren Willen zu einer Lösung. "Wir hoffen, dass wir das heute noch hinbekommen, aber garantieren kann das keiner", hieß es. "Beide Seiten bewegen sich", hieß es aus den Schmid nahe stehenden Kreisen.

Vor dem Unternehmenssitz in Büdelsdorf demonstrierten unterdessen nach Gewerkschaftsangaben rund 1400 Mobilcom-Beschäftigte und forderten Schmid zur Unterschrift unter ein Abkommen zur Übertragung seiner Anteile auf. Der IG-Metall-Bevollmächtigte Kai Petersen bezeichnete Schmids Verhalten als wirtschaftlich desaströs und sozial unverantwortlich. Der Firmengründer pokere hoch und setzte dabei das ganze Unternehmen aufs Spiel. Die Bundesregierung appellierte an Schmid, die Unterschrift unter den Treuhändervertrag umgehend zu leisten, da eine Insolvenz ansonsten vor der Tür stehe.

Von Schmids Unterschrift hängt das Zustandekommen eines Rettungspakets ab, auf das sich alle Beteiligten bereits im September im Grundsatz verständigt hatten. Dazu soll den Angaben zufolge ein Bankenkonsortium unter Federführung der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Überbrückungskredit von gut 160 Millionen Euro beisteuern. Mit dem Geld will Mobilcom sein verlustreiches Kerngeschäft sanieren und den geplanten Abbau von bis zu 1850 seiner rund 5000 Arbeitsplätze finanzieren. France Telecom soll im Rahmen der Rettung Mobilcom-Schulden Kredite von annähernd sieben Milliarden Euro übernehmen und den einstigen UMTS-Partner damit weitgehend entschulden.

Nachdem zwei Streitpunkte beiseite geräumt worden seien, verhandele man noch über die Person des Treuhänders, hieß es aus den Kreisen. Schmid hatte den früheren Debitel-Chef Joachim Dreyer vorgeschlagen, während die Bundesregierung den Düsseldorfer Rechtsanwalt Reinhard Dalwigk mit der Verwaltung der Anteile beauftragen will. Eine Sprecherin Schmids sagte, sie könne sich nicht vorstellen, dass Schmid einer Lösung mit zwei Treuhändern zustimme. Die hohe Verantwortung sei nicht teilbar.

Der Noch-Anteilseigner France Telecom will einer Gesamtlösung nur dann zustimmen, wenn Schmid jeglichen Einfluss auf Mobilcom aufgibt. Deshalb soll er das von ihm und seiner Frau gehaltene Aktienpaket auf einen Treuhänder übertragen.

Nach IG-Metall-Angaben müsste Mobilcom bereits am Donnerstag Insolvenz anmelden, falls bis dahin keine Einigung erzielt worden sein sollte. "Wenn heute nichts passiert, steht morgen der Gang zum Insolvenzgericht an", sagte Petersen.

Arbeits- und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) forderte Schmid ebenfalls ultimativ auf, im Streit um die Treuhänderschaft einzulenken. "Schmid muss umgehend unterschreiben, sonst steht die Insolvenz vor der Tür", sagte Clement am Mittwoch in Düsseldorf der Nachrichtenagentur Reuters.

Schmid hatte am Dienstag eine von der Bundesregierung gesetzte Frist zur Übertragung seiner Anteile verstreichen lassen. Die Bundesregierung hatte ihm daraufhin weitere 48 Stunden für einen Kompromiss gegeben. Sollte bis Donnerstag keine Einigung erzielt werden, würde auch ein im September zur Rettung von Mobilcom vereinbartes Stillhalteabkommen hinfällig. Dies hätte nicht nur die umgehende Insolvenz von Mobilcom zur Folge, sondern auch die Wiederaufnahme der juristischen Streitigkeiten zwischen allen Beteiligten.

Die Aktien von Mobilcom stiegen unterdessen bis zum Abend um über 24 Prozent auf 5,47 Euro.

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