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Anzeichen für baldige Wiederaufnahme der Nahost-Verhandlungen

Im Nahen Osten wächst die Hoffnung auf neue Verhandlungen über ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Gespräche sollten bereits am Dienstag in Washington beginnen, sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat am Sonntag.

ap JERUSALEM. Auch der israelische Ministerpräsident Ehud Barak zeigte sich vorsichtig optimistisch, nannte jedoch keinen Zeitpunkt für den Beginn neuer Gespräche.

Es sei zu früh, Vorhersagen zu machen, betonte Barak während einer Wahlkampfveranstaltung in Jerusalem. "Wir hoffen, in der angemessen Zeit die Verhandlungen fortzusetzen, basierend auf einem Rückgang der Gewalt", sagte der amtierende Regierungschef, der sich am 6. Februar Neuwahlen stellen will. Beobachter gehen davon aus, dass Baraks Chancen auf einen Wahlerfolg ohne den Abschluss eines Abkommens mit den Palästinensern nur äußerst gering sind. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat sagte, er schließe ein Treffen mit Barak in nächster Zukunft nicht aus. "Wenn es eine Notwendigkeit dafür gibt, warum nicht?" sagte Arafat am Sonntag.

Überschattet wurden diese Ankündigungen von mehreren Zwischenfällen in den Autonomiegebieten, bei denen vier Menschen ums Leben kamen. In Rafah im südlichen Gazastreifen wurden zwei Palästinenser bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten getötet. In der Nähe eines Flüchtlingslagers nördlich von Jerusalem starb ein 28-jähriger Aktivist von Arafats Fatah-Bewegung in der Nacht zum Sonntag bei einer Explosion. Über deren Ursachen wurde zunächst nichts bekannt. In Hares im Westjordanland wurde ein Palästinenser erschossen, der früher mit der israelischen Polizei zusammengearbeitet hatte. Am Sonntag durften tausende Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen zur Arbeit nach Israel einreisen. Die Beschränkungen waren am Freitag gelockert worden.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak bezeichnete den künftigen Status von Ostjerusalem als Angelegenheit aller Moslems und Christen. Die Palästinenser hätten daher nicht das Recht, in Friedensverhandlungen mit Israel alleine über diesen strittigen Punkt zu entscheiden, sagte Mubarak am Sonntag in Kairo. "Das Thema Jerusalem ist sensibel", betonte Mubarak, der als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern eine wichtige Rolle spielt.

US-Präsident Bill Clinton brachte in einem Telefonat mit Arafat seine Besorgnis über die andauernde Gewalt zum Ausdruck. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, P.J. Crowley, sagte am Samstag, Clinton habe aber auch Zufriedenheit über die wieder auflebenden Kontakte zwischen Israelis und Palästinensern geäußert.



Ben Ami deutet Kompromissbereitschaft bei Tempelberg an



Der israelische Außenminister Schlomo Ben Ami sagte, Israel sei entschlossen, weiter auf ein Friedensabkommen hinzuarbeiten. Neue Gespräche mit den Palästinensern könnten auch den umstrittenen Status der Jerusalemer Altstadt beinhalten. "Obwohl wir heute die Souveränität über den Tempelberg haben, sind wir auch Geiseln des Tempelbergs", erklärte Ben Ami im israelischen Militärradio, führte jedoch nicht aus, zu welchen Eingeständnissen Israel bereit wäre. Der Tempelberg ist sowohl für Juden als auch für Moslems eine heilige Stätte. Ende September waren dort die blutigen Unruhen ausgebrochen, in deren Verlauf bislang 329 Menschen ums Leben kamen.



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