Anzeichen für "Bullenmarkt" mehren sich
„Anleger können langsam wieder in Aktien einsteigen“

Da die Aktienmärkte nicht mehr weit von ihrem Kursboden entfernt sind, sollten Investoren über den Kauf von Aktien nachdenken. Anlagestrategen haben sich im "Frankfurter Gespräch" des Handelsblatts zuversichtlich für Technologietitel geäußert, über Anlageregionen schieden sich jedoch die Geister.

HB FRANKFURT/M. Trotz der monatelangen Turbulenzen an den Aktienmärkten kann sich das Jahr 2001 noch zum Aktienjahr mausern. Darüber waren sich die Aktien- und Anleiheexperten beim "Frankfurter Gespräch" des Handelsblatts einig. Die Aktienkurse seien nicht mehr weit vom Niveau zu Jahresbeginn entfernt, konstatierte Johannes Day, Fondsmanager internationale Aktien bei der Dresdner-Bank-Tochter DIT. Der Kursboden dürfte in nächster Zeit gefunden werden: Die gelassene Reaktion der US-Börsen auf den schlechten Quartalsausblick des Tech-Konzerns Cisco zeige, wie extrem negative Nachrichten bereits in den Kursen steckten, meinte Day. Im zweiten Halbjahr dürften aber die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung spätestens 2002 die Aktienbörsen wieder beflügeln, erwarten die Anlageexperten.

Die Deutsche Bank hat Aktien in ihren Musterportfolios für Privatkunden daher weiterhin übergewichtet. Investoren sollten nun darüber nachdenken, in Aktien einzusteigen. Zu überstürzen bräuchten sie sich dabei aber nicht, sagte Alfred Roelli, Leiter Anlagestrategie Privatkunden bei der Deutschen Bank: "Zwei, drei Monate können Anleger schon noch warten." Die Märkte sollten sich erst beruhigen, noch pendelten die Aktienkurse zu stark zwischen Plus und Minus hin und her, begründet der Anlagestratege.

DIT-Experte Day hält dagegen einen früheren Einstieg nicht für verkehrt, zumal sich die Anzeichen für einen "Bullenmarkt" mehrten und man den niedrigsten Kurs ohnehin kaum treffe. Die meisten DIT-Aktienfondsmanager kauften jetzt zu.

Auch Aktienanalyst André Jäkel von der BHF-Bank ist zuversichtlich: "Viele Firmen können im zweiten Halbjahr nur noch positiv überraschen, da sie selbst ihre Erwartungen kräftig nach unten gedrückt haben". Das gelte allerdings vorwiegend für die USA. In Europa sieht er bei Tech-Firmen noch ein größeres Risiko für Gewinnrevisionen. "Die Erwartungshaltung in Europa ist noch viel zu hoch", sagte Jäkel. Dem Technologieaktien-Experten gefallen mittelgroße US-Tech-Titel - die Firmen der "nächsten Generation". Dazu gehören für ihn der Software-Anbieter I2-Technologies, Sicherheitsmedien-Anbieter Checkpoint Software und das Halbleiter-Unternehmen Applied Materials.

Uneinigkeit bei den favorisierten Anlageregionen

"Wenn einsteigen, dann in US-Aktien", rät auch Day. Er mag jedoch auch große Unternehmen: Die Marktführer in ihrem Bereich profitierten von einer anziehenden Konjunktur, begründet er. Europa hinke in der Konjunktur einige Monate hinter den USA her. Zu seinen Top-Aktien zählen der weltweit führende Anbieter von Datenspeichersystemen EMC, der Technologiekonzern United Technologies, aber auch der Mischkonzern Tyco und die Supermarktkette Safeway.

Roelli von der Deutschen Bank gewichtet dagegen Europa über, das stabiles inflationsfreies Wachstum vorweise. Gleichwohl sei er in den USA eher aggressiv, in Europa dagegen defensiv aufgestellt. Nach Branchen setzt auch er auf Technologie: Übergewichtet hat der Stratege aktuell neben Techs, Finanzen, Zyklische Aktien und Medienaktien. Diese Sparten dürften von einer anziehenden Konjunktur profitieren, Finanzdienstleister würden beflügelt von sinkenden Zinsen. Auf der Technologie-Empfehlungsliste der Deutschen Bank stehen auch die "fundamental günstig bewerteten" Neue-Markt-Titel Aixtron und Singulus, IBM, Intel und SAP, die seiner Ansicht nach falsch verstanden worden seien. Ferner mag er unter anderem Aegon und Axa, Alcoa, Amex und Lufthansa, Elsevier, VNU und Vivendi.

Für ein Rentenportfolio seien vor allem Firmenanleihen attraktiver als Staatsanleihen, sagte Jan Holthusen, Leiter Market Research bei der DG Bank. Ab Sommer könnten die Bonds von einem möglichen Aufschwung der Aktienkurse der Emittenten profitieren. Außerdem dürfte in den wichtigsten Firmenbondsegementen Telekom und Auto die schlechten Nachrichten durch sein. Ihm gefallen Bonds von Vodafone, der defensiveren Heidelzement und BAT.

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