Anzeigeneinbruch schlimmer als erwartet
„Financial Times“ steckt in der Krise

Der britische Medienkonzern Pearson Plc. erwartet keine rasche Erholung des Zeitungsmarktes. Der Herausgeber der "Financial Times", der in Deutschland mit dem Verlag Gruner+Jahr die "Financial Times Deutschland" verlegt, musste im ersten Halbjahr im Zeitungsbereich einen Rückgang bei den Werbeeinnahmen von 31 % hinnehmen.

and LONDON. Der Gewinn der FT Group werde darum in diesem Jahr um 10 bis 15 % fallen, teilte das Unternehmen gestern in London bei der Vorlage der Halbjahresbilanz mit. Zur FT Group gehören auch die französische Zeitung "Les Echos" und die spanische Mediengruppe Recoletos.

Der größte Einbruch im Anzeigengeschäft seit 30 Jahren ist nach Pearson-Angaben schlimmer ausgefallen als erwartet. Allerdings macht dieses Geschäft nur knapp 10 % des Gesamtumsatzes aus, so dass der Konzern den Einbruch am Anzeigenmarkt nur abgeschwächt zu spüren bekommen hat. Dennoch sank der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 3 % auf 1,8 Mrd. £ (umgerechnet 2,7 Mrd. Euro).

Pearson-Chefin Marjorie Scardino zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Gruppe in diesem Jahr gute Gewinne liefern werde. Vor allem das Ergebnis in der Sparte Erziehung habe die Verluste der Zeitungssparte ausgleichen können. Hier rechnet Pearson im laufenden Jahr mit einem Umsatzwachstum von 3 % bis 5 % und widersprach damit einer befürchteten Flaute. Der Konzern erwirtschaftet inzwischen rund 60 % seines Umsatzes mit Schulbüchern, vor allem in den USA. Die Etatkürzungen durch US-Präsident George W. Bush sowie der starke Dollar gelten darum als Probleme für diesen Pearson-Bereich.

Scardino hat den Verlag seit 1997 radikal zu einem reinen Medienhaus verschlankt - etwa durch den Verkauf des Wachsfigurenkabinetts "Madam Tussaud?s" und der Investmentbank Lazards. Heute gehören neben der Zeitungssparte und dem Lehrmittelbereich auch noch der bekannte Penguin-Verlag sowie Dorling Kindersley zu dem Konzern. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres konnte Pearson mit einem Vorsteuergewinn von 26 Mill. £ die Erwartungen der Analysten erfüllen. Im vergangenen Jahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Verlust von 28 Mill. £ ausgewiesen. "Wir sind auf dem Kurs der Erholung und voll auf Linie unserer Erwartungen", sagte Konzernchefin Scardino. Der Aktienkurs stieg bis zum Mittag um gut 5 % auf 591 Pence. Der Wert hatte allerdings seit Juni mehr als 40 % verloren. Damals hatte Scardino erstmals eingeräumt, dass sie für den Anzeigenmarkt im Zeitungsbereich auf längere Sicht keinen Aufwind erwarte. "Auch momentan sehen wir keine Erholung", hieß es dazu am Montag.

Analysten zeigten sich aber zufrieden, da das Halbjahresergebnis die Erwartungen erfüllte. "Wenn nicht Schlimmeres bei der FT passiert und sie die Ziele in der Lehrmittelsparte erfüllen, müssten sie eigentlich ihre Erwartungen erfüllen", sagt Kingsley Wilson, Analyst bei Investec Securities. Andere warnten jedoch auch vor einer Überbewertung des Ergebnisses. "Jeder, der momentan den Kreis der schlechten Nachrichten (in der Medienbranche) durchbricht, dürfte einen übertriebenen Sprung beim Aktienkurs erleben", sagte ein Analyst. Dass - wie zurzeit spekuliert wird - die Pearson-Gruppe ihre gebeutelte Financial Times verkaufen könnte, halten die meisten Experten in London für undenkbar.

Im Internetbereich will der Konzern den Verlust von 137 Mill. £ aus 2001 in diesem Jahr auf 60 Mill. £ reduzieren. Der erst seit Mai auf Abonnentenbasis umgestellte Service FT.com hat bislang rund 17 000 Abnehmer gefunden und soll noch in diesem Jahr profitabel werden, hieß es.

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