AOL Flatrate sei "Mogelpackung"
Freenet erwartet 2002 deutliches Umsatzplus

Der Online-Dienst freenet.de will im kommenden Jahr bei einem auf 80 bis 90 Mill. DM gesteigerten Umsatz in die Gewinnzone.

Reuters DÜSSELDORF. Das sagte der Vorstandschef der MobilCom-Tochter, Eckhard Spoerr, am Donnerstagabend in Düsseldorf. Im laufenden Jahr werde ein Umsatz von 50 bis 60 Mill. DM erwartet und ein niedrigerer Verlust als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr hatte der Hamburger Online-Dienst bei einem Umsatz von 42,4 Mill. DM einen Verlust von 17,5 Mill. DM ausgewiesen. Die Zahlen für das zweite Quartal 2001, die am 8. August vorgelegt werden, böten keine Überraschungen. Der Umsatz liege im Plan, das Ergebnis im Bereich des ersten Quartals.

Mit dem geplanten kostenpflichtigen Erotik-Internet-Portal, das in den nächsten zwei Monaten an den Start gehen soll, will Freenet im ersten Jahr 20 000 Kunden gewinnen und einen zweistelligen Millionen-Umsatz erzielen. Die Grundgebühr für das Erotik-Portal liege bei 9,95 Euro im Monat. Freenet will das Portal zusammen mit dem Flensburger Orion Versand und dem Telefon-Dienst Audiofon betreiben. "Ich sehe nicht viel, was ansonsten eine Grundgebühr rechtfertigen würde", sagte Spoerr. Weitere kostenpflichtige Dienste könne er sich jedoch für neue Inhalte bei einem schnelleren Breitband-Zugang und für individuell zusammengestellte Angebote, die auf ein Mobiltelefon übertragen werden, vorstellen.

Den von AOL angekündigten günstigen Internet-Pauschaltarif bezeichnete Spoerr als "Mogelpackung". Bei AOL soll die Pauschale für einen schnellen DSL-Zugang monatlich künftig knapp 40 DM Kosten bei einer Mindestvertragsdauer von zwölf Monaten. "Wir wollen die Preise von AOL nicht unterbieten", betonte Spoerr. Ein wirtschaftlich vertretbarer Preis für einen DSL-Zugang inklusive Internet und Telefonie liege bei rund 120 DM. Einen Breitband-Zugang über Satellit will Freenet für unter 200 DM ab Herbst anbieten.

Mit 2,07 Millionen aktiven Einwahlkunden liege die am Neuen Markt gelistete Freenet hinter T-Online noch vor AOL auf Platz zwei bei den Online-Diensten, sagte Spoerr. Die Marktreichweite liege mit insgesamt 4,2 Millionen Kunden insgesamt bei knapp 30 % und soll nach den Worten von Spoerr im kommenden Jahr auf 40 % gesteigert werden.

Der Werbung im Internet sagt Spoerr im Gegensatz zu anderen eine große Zukunft voraus. Während die Werbeumsätze von Unternehmen der "new economy" bei Freenet im ersten Halbjahr um über 60 % eingebrochen seien, habe sich der Werbeumsatz von "old economy"-Unternehmen in dieser Zeit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 100 % erhöht. Mittlerweile erziele Freenet bereits die Hälfte des Umsatzes mit Werbung und e-commerce. Im zweiten Halbjahr wolle Freenet rund ein Viertel des Jahresumsatzes in Werbung investieren. Ein neuer Kunde, der im Internet geworben werde, koste Freenet bis zu zehn DM, im Durchschnitt betrage der Werbeaufwand für einen neuen Kunden rund 30 DM.

Spoerr rechnet zur Zeit nicht mit einem Verkauf der Mehrheit durch die Mutter MobilCom, die 77 % der Freenet-Anteile hält. "Es gibt keine Gespräche", sagte Spoerr. Beim derzeitigen Kursniveau wäre ein Verkauf für MobilCom völlig uninteressant. Einer Vereinbarung zufolge, darf MobilCom die Mehrheit an Freenet bis Ende diesen Jahres nicht ohne die Zustimmung des Vorstandes verkaufen. Den aktuellen Börsenwert von Freenet bezifferte Spoerr mit rund 300 Mill. DM.

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