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AOL-Time Warner-Fusion: Erhebliche Auflagen der US-Wettbewerbsbehörde

Die Wettbewerbshüter fordern dem Medienriesen aber ausgesprochen weit reichende Auflagen ab. "Unsere Befürchtung war, dass die Fusion dieser beiden kraftvollen Firmen den Zugang anderer Wettbewerber zu den neuen Breitband-Technologien verhindern könnte", sagte FTC-Chef Robert Pitofsky auf einer Pressekonferenz in Washington.

dpa WASHINGTON. Unter erheblichen Auflagen hat die US- Wettbewerbsbehörde FTC die Fusion des weltgrößten Internetanbieters America Online (AOL) und des weltgrößten Medienunternehmens Time Warner genehmigt. Die Federal Trade Commission (FTC) fasste ihren Beschluss am Donnerstag einstimmig. Die neue Gesellschaft wird als AOL Time Warner firmieren. Es ist der größte Zusammenschluss, den es je gegeben hat. Nach derzeitigen Aktienkursen inklusive der Schuldenübernahmen hat er einen Gesamtwert von 126 Mrd. $ (280 Mrd. DM/144 Mrd. Euro).

Die Wettbewerbshüter fordern dem Medienriesen aber ausgesprochen weit reichende Auflagen ab. "Unsere Befürchtung war, dass die Fusion dieser beiden kraftvollen Firmen den Zugang anderer Wettbewerber zu den neuen Breitband-Technologien verhindern könnte", sagte FTC-Chef Robert Pitofsky auf einer Pressekonferenz in Washington. Daher habe seine Behörde zu den einschränkenden Maßnahmen gegriffen. "Dies soll sicherstellen, dass das neue Medium, welches sich durch Offenheit, Vielfalt und Freiheit auszeichnet, nicht für andere verschlossen wird."

Die FTC-Genehmigung war die wichtigste Fusionshürde. Jetzt muss noch die für den Kommunikationsbereich zuständige amerikanische Aufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission) ihre Genehmigung erteilen. Dies dürfte jedoch noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Aktien der Time Warner Inc. stiegen nach der FTC-Ankündigung um 3,20 $ auf 75,80 $, während die Papiere der AOL Inc. um 2,21 $ auf 50,66 $ zulegten. AOL hat mehr als 26 Mill. Online-Kunden. Time Warner verfügt über Film- und Fernsehstudios, Kabelfernsehnetze und-gesellschaften, Verlage und Vergnügungsparks. Das Time Warner-Kabelfernsehsystem erreicht 20 Mill. Haushalte und ist nach AT&T das zweitgrößte der USA.

Die Fusion wird AOL die enormen Medieninhalte des Time Warner - Konzerns zugänglich machen sowie dem Medien-Branchenführer Time Warner die AOL-Onlinedienste öffnen und interaktives Fernsehen ermöglichen. Viele Verbrauchergruppen waren auf Grund dieser geballten Macht gegen den Zusammenschluss. Die FTC hatte mit Hilfe von Klagedrohungen die beiden Unternehmen zu weit reichenden Konzessionen gezwungen. Dazu zählen folgende Auflagen:

AOL Time Warner muss sein Kabelfernsehnetz auch anderen Internet- Serviceanbietern für den Hochgeschwindigkeitszugang öffnen. Eine Vereinbarung wurde bereits mit dem AOL-Hauptkonkurrenten EarthLink getroffen. Jetzt müssen innerhalb von 90 Tagen entsprechende Vereinbarungen mit zwei weiteren Internet-Serviceanbietern folgen. Später sollen entsprechende Verträge mit weiteren Interessenten folgen. Damit soll sicher gestellt werden, dass Time Warner sein riesiges Kabelfernsehnetz, das den Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet ermöglicht, wirklich auch AOL-Konkurrenten öffnet.

Time Warner darf auch fremde Internetservice-Firmen im Hinblick auf Inhalte und Internetdienste nicht diskriminieren, die an deren Kunden weiter gegeben werden. AOL muss seinerseits den Kunden die über Telefonleitungen übermittelten DSL-Internetdienste auch in Gebieten anbieten, in denen Time Warner über Kabelfernsehleitungen Breitbanddienste offeriert.

Kabel-TV-Leitungen und DSL über reguläre Telefonleitungen sind konkurrierende Wege für die Hochgeschwindigkeitsübertragung von Internet- und sonstigen Daten in die Haushalte.

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