AOL-Time Warner und Bertelsmann schließen E-Book-Töchter
Elektronische Bücher bereiten Großverlagen Kopfzerbrechen

Das elektronische Buch (E-Book) sollte ein neues Zeitalter der Literatur via Bildschirm einläuten. Das Ende des herkömmlichen Buchdrucks hatten Experten schon kommen sehen.

dpa/sgr SEATTLE/DÜSSELDORF. Doch ganz so schnell wie erhofft klappt es wohl nicht mit der Revolution im Verlagsgeschäft. Zurzeit sind in den USA, dem Mutterland des erhofften E-Book- Booms, zumindest die großen Verlage eher pessimistisch. "Vielleicht hat Herr Gutenberg ja doch das letzte Wort", seufzt Laurence Kirshbaum, der Chef des Buchvertriebs beim Medienriesen AOL-Time das gerade sein Unternehmen E-Book-Shop iPublishing.com geschlossen hat. Zwar sollen elektronisch aufbereitete Texte weiterhin verbreitet werden, jedoch nur als Ergänzung zu gedruckten Büchern. Von der Schließung sind 29 Arbeitsplätze betroffen. Nach Ansicht des Konzerns hat sich das Geschäft mit E-Books nicht so entwickelt, wie man sich ursprünglich erhoffte. Zuvor hatte bereits Bertelsmanns Random House seinen E-Book-Onlineshop geschlossen.

Auffallend ist allerdings, dass sich keiner der Verlage ganz aus dem neuen Geschäft verabschiedet. Wie AOL - Time Warner will auch Random House weiterhin elektronische Versionen von Büchern aus dem regulären Verlagsprogramm anbieten.

Die Kunden halten sich beim Kauf von speziellen E-Book-Lesegeräten wohl deshalb zurück, weil die Preise mit weit über 250 Euro einfach noch als zu teuer empfunden werden. Zudem versteht noch längst nicht jedes E-Book jede E-Book-Datei. Und selbst die Preise für Digitalbücher, die meist ähnlich so viel kosten wie gedruckte Erstausgaben, empfinden die Kunden als zu kostspielig. Dabei stellt die Digitalausgabe immerhin eine Zweitverwertung des Werkes dar, ähnlich wie viele Taschenbuch-Ausgaben.

Lediglich in einigen Nischen tummeln sich Kleinstfirmen, die mit Sonderprogrammen Profit machen. Liebesromane, Western und Science-Fiction-Erzählungen von unbekannten Autoren, deren Werke bei Großverlagen abgelehnt wurden, sind beim Miniverlag Hard Shell Work Factory der große Renner. Nach eigenen Angaben verkauft der Verlag aus dem Bundesstaat Wisconsin monatlich über 6 000 E-Books. Dazu kommen dann Online- Unternehmen wie ElectricStory.com und Fictionwise.com, wo Digitalausgaben zu Schleuderpreisen abgegeben werden; allerdings ist dort die Auswahl noch sehr begrenzt.

Fictionwise.com hat immerhin einzelne Titel von renommierten Autoren wie Mark Twain oder Jack Kerouac im Angebot, und einige der Texte kosten umgerechnet nur eine Mark. Monatlich werden auf diesem Weg etwa 10 000 Billig-E-Books verkauft. Sinkende Preise locken die Kunden. Besonders populär sind E-Book-Titel natürlich dann, wenn sie gar nichts kosten. Das weltweite Interesse an kostenlosen Texten belastet die Server der University of Virginia an der amerikanischen Ostküste; dort stehen 1 600 Titel zum Herunterladen bereit, und von diesem Angebot unter http://etext.lib.virginia.edu/ebooks/ machen täglich Tausende von Websurfern Gebrauch.

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