AOL Time Warner und BMG erneut als Kaufinteressenten gehandelt
EMI sucht schon wieder einen starken Partner

Der britische Musikriese EMI Group Plc., London, kann es nicht lassen: Trotz zweier gescheiterter Fusionsversuche bekundet Chairman Eric Nicoli erneut Interesse an einem Partner. Bei einem Abendessen in London erklärte er vor Journalisten, dass er immer geglaubt habe, dass eine Fusion Sinn mache; und dies sehe er immer noch so.

and/pos LONDON. Als Wunschpartner nannte Nicoli den US-Konzern Warner Music. "Aber auch wenn die Bertelsmann Music Group (BMG) auf uns zukommt, würden wir das prüfen", so der EMI-Boss weiter. Allerdings gebe es bislang keine konkreten Gespräche.

Analysten in London sehen die Bemerkung als weiteren Hinweis, dass eine aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes gegen die Wettbewerbshüter in Brüssel wieder Bewegung in die Übernahmefront bringen wird. Der Europäische Gerichtshof hatte in einem viel beachteten Urteil kürzlich entschieden, dass ein von Brüssel ausgesprochenes Verbot der Übernahme von First Choice durch den Reiseanbieter Airtours falsch gewesen sei. EMI war in den vergangenen zwei Jahren sowohl mit einem Fusionsversuch mit BMG als auch mit AOL Time Warner in Brüssel gescheitert.

Die EMI steckt sein längerem in der Krise und hat mehrere Gewinnwarnungen ausgegeben. Nach dem Verfall des EMI-Kurses an der Börse hatte Nicoli im vergangenen Oktober zu harten Maßnahmen gegriffen. Er kündigte Künstlerverträge vorzeitig und ersetzte Chief Executive Ken Berry durch den Franzosen Alain Levy. Das Vorzeige-Label Virgin Records wurde drastisch umgebaut und effektiver gemacht. Doch im wichtigen US-Markt gelingt es Emi noch immer nicht, richtig Fuß zu fassen.

In der Konzernzentrale der Bertelsmann AG in Gütersloh, Mutter von BMG Music, wollte man zu den Äußerungen Nicolis auf Nachfrage keinen Kommentar abgeben. Allerdings hatte BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz Ende 2001 Interesse an Emi bekundet. "Wenn die EU-Kommission die Lage der Musikindustrie damals so gesehen hätte, wie sie heute ist, dann hätte sie anders entschieden", so Schmidt-Holtz mit Blick auf seit Jahren sinkende CD-Absätze.

Nach dem Vollzug der jüngst bekannt gegebenen Übernahme von Zomba Records kommt BMG rechnerisch auf gut 15 Prozent Marktanteil. Eine Verschmelzung mit Emi könnte die neue Nummer Eins des Musikmarktes vor Universal Music (Marktanteil 2000: rund 23 %) bedeuten. BMG ist in den USA, nicht zuletzt durch Zomba (mit Britney Spears) und seine Beteiligung an J-Records (Alicia Keys) gut aufgestellt. Emi (Robbie Williams, Beatles-Rechte) wiederum ist in Europa stark. Andererseits ist noch nicht klar, ob die Integration von Zomba in BMG gelingen wird. Sollte Gründer Clive Calder das Unternehmen verlassen, so die einhellige Branchenmeinung, wäre ein Exodus der Top-Künstler und des Managements die Folge. Dann wäre eine Fusion mit EMI eine neue, schwere Belastung für BMG.

Quelle: Handelsblatt

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