AOL Time Warner und Disney diskutieren Zusammenlegung des Nachrichtengeschäfts
CNN und ABC News planen Fusion

Der eine verfügt über ein großes Korrespondentennetz, der andere über berühmte Journalisten. Eine Fusion der Nachrichtensparten der Medienriesen AOL Time Warner und Disney käme bei Analysten deshalb gut an.

NEW YORK. Bei den US-Nachrichtensendern bahnt sich der Zusammenschluss zweier Schwergewichte an: Der zum Medienriesen AOL Time Warner gehörende Sender CNN (Cable News Network) verhandelt mit der Disney-Tochter ABC News über eine Fusion. Beide Unternehmen bestätigten am Freitag einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Los Angeles Times". Konkrete Abkommen seien allerdings noch nicht erreicht worden und stünden auch nicht unmittelbar bevor. ABC-News-Präsident David Westin sagte, sein Sender sei im Vergleich zum Vorjahr besser positioniert -"was uns den Luxus ermöglicht, falls ein Vertrag abgeschlossen wird, diesen von einer starken Position auszuhandeln." Der Nachrichtenkanal CNN sucht schon seit Jahren nach einem geeigneten Partner für eine Kooperation, um Kosten einzusparen.

Zur Diskussion steht offenbar die Ausgliederung der jeweiligen Nachrichtensparten in ein gemeinsames Unternehmen. CNN als größerer Partner könnte daran eine deutliche Mehrheit von 65 bis 75 % halten. Durch den Zusammenschluss könnte durch Synergieeffekte zu Einsparungen von insgesamt bis zu 200 Mill. $ im Jahr führen. Das käme für beide Mediengiganten zur rechten Zeit: Die Aktien der Unternehmen vegetieren auf Tiefständen, die sie seit den 90er-Jahren nicht mehr gesehen haben. Die AOL-Papiere etwa verloren binnen Jahresfrist fast 80 % und rutschten von rund 50 zwischenzeitlich auf unter 10 $ ab.

Die Zusammenlegung würde einige Problemzonen der Mutterkonzerne glätten: Die ABC-Nachrichtensparte leidet entgegen Westins positiver Einschätzung der eigenen Positionierung derzeit unter schlechten Einschaltquoten. In der vergangenen Saison gab sie ihre Spitzenposition auf und rutschte auf den dritten Platz hinter der Konkurrenz von NBC und CBS. Aus Kostengründen müssen in näherer Zukunft wohl eine Reihe internationaler Büros geschlossen werden. Da könnte der Zusammenschluss mit dem renommierte Nachrichtenkanal CNN Abhilfe schaffen, der ein Netz von mehr als 40 Korrespondentenbüros in aller Welt aufgebaut hat. Der Bekanntheitsgrad der CNN-Moderatoren ist allerdings nach Meinung von Medienexperten kleiner als bei der Disney-Tochter, die journalistische Größen wie Peter Jennings und Barbara Walters in das gemeinsame Unternehmen einbringen würden.

Vorteilhaft könnte sich auch die breitere Streuung der Geschäfte bei AOL Time Warner auswirken, deren Online-Sparte seit mehreren Quartalen mit sinkender Nachfrage der Anzeigenkunden und Abonnenten kämpft. Eine Rückkehr zu traditionellen Mediendiensten wie Fernsehen und Film würde der Unternehmensbilanz nach Meinung von Analysten wieder auf die Sprünge helfen. "Was auch immer der Konzern tun kann, um das Augenmerk vom Onlinegeschäft fort und auf die Time-Warner-Bereiche zu lenken, wird dem Aktienkurs nutzen", sagt Phil Leigh, Digitalmedien-Experte bei der Investmentbank Raymond James.

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