Apotheker steigt auf
SAP krempelt den Vertrieb um

Mit einem umfassenden Umbau des weltweiten Vertriebs will Europas größter Softwarekonzern SAP vor allem das zuletzt schleppende Geschäft in den USA wieder ankurbeln.

Reuters WALLDORF. Der bisherige Vertriebschef für Europa, Nahost und Afrika, Leo Apotheker, werde ab sofort in der neu geschaffenen Position als President Global Field Operations die Verantwortung für den weltweiten Vertrieb übernehmen, teilte SAP am Donnerstag in Walldorf mit. Zugleich löse Apotheker für eine Übergangszeit den den erst seit zwei Jahren amtierenden Nordamerika-Chef Wolfgang Kemna ab, der sich als Executive Vice President in Zukunft um strategische Projekte ("Global Initiatives") kümmern solle.

Ein neuer Chef für die US-Tochtergesellschaft SAP America Inc werde noch gesucht, sagte eine SAP-Sprecherin. Analysten werteten den Schritt als Eingeständnis von Problemen im US-Geschäft.

Apothekers Erfolgsbilanz

Leo Apotheker, der bereits seit 14 Jahren für SAP arbeitet, gilt in der Branche als besonders erfolgreicher Vertriebsmann. Im ersten Quartal war das Geschäft mit Softwarelizenzen in den USA um 30 Prozent eingebrochen, während der Lizenzumsatz in Europa auf dem Vorjahresniveau gehalten wurde. "Wir mussten etwas ändern, um das Geschäft zu beleben", sagte die SAP-Sprecherin. Ähnlich wie in Europa habe sich das Verhalten der Kunden in den USA gewandelt. SAP wolle dort wie auf dem heimischen Markt verstärkt auf den Mittelstand zugehen. Es gehe darum, den Umsatz auf dem größten Softwaremarkt der Welt anzukurbeln. Eine Vielzahl von kleineren Vertragsabschlüssen bringe mehr als wenige große Kunden.

Der Gewinn nach Steuern von SAP war in den ersten drei Monaten auf 65 von 109 Millionen Euro gesunken. Der Umsatz mit Softwarelizenzen war weltweit auf 402 von 458 Millionen Euro zurückgegangen. In den USA erzielt der Konzern 36 Prozent seines Umsatzes, aber nur 25 Prozent der Lizenzumsätze. "Amerika ist ein schwieriges Pflaster. Das gilt für alle in der Branche", sagte Analyst Norbert Loeken von der WestLB Panmure. Der erneute Führungswechsel deute darauf hin, dass SAP in den USA noch einmal vor schwierigen Monaten stehe. Loeken habe deshalb sein Kursziel auf 125 von 150 Euro gesenkt.

Fünf statt drei Vertriebs-Regionen

"Ich würde das als Anzeichen sehen, dass alles nicht so rund läuft in Amerika", kommentierte HypoVereinsbank-Analystin Friederike Herkommer. Kemna, der zuvor das Deutschland-Geschäft von SAP führte, habe durchaus Erfolge seiner Umstrukturierungen vorzuweisen, jedoch die Wende nicht endgültig geschafft, sagte Loeken. Es sei SAP wohl zu langsam gegangen, fügte Herkommer an. Kemnas Vorgänger Kevin McKay war nur ein Jahr bei SAP gewesen.

Die weltweite Vertriebsorganisation von SAP gliedert sich ab sofort in fünf statt wie bisher in drei Regionen, deren Chefs an Apotheker berichten. Japan wird von Asien abgetrennt, Südamerika vom Norden des Doppelkontinents. Diese Regionen seien homogener, begründete SAP den Schritt. Nachfolger von Apotheker in Europa wird der bisherige Asien-Vertriebschef Les Hayman. Zur Führung des weltweiten Vertriebs gehört auch die erst vor kurzem zu SAP gewechselte Carol Burch, nicht aber Kemna.

US-Chef erhält neue Aufgabe

Kemna soll sich nach Angaben von SAP künftig verstärkt um die Projekte SCM (Software zum Beschaffungs-Management) und CRM (Software für die Pflege von Kundenbeziehungen) kümmern. In den Bereichen attackiert SAP die bisherigen Marktführer i2 und Siebel oder hat sie bereits überholt. Auch um "R/3 Enterprise", den Zwischenschritt von der Unternehmensplanungssoftware R/3 auf das internet-basierte "mysap.com", werde er sich kümmern, sagte die Sprecherin. Die neue Funktion sei als Beförderung anzusehen, sagte die Sprecherin. Kemna soll direkt an Vorstandschef Henning Kagermann berichten.

Die SAP-Aktie, die am Mittwoch rund sieben Prozent eingebüßt hatte, fiel am Donnerstagvormittag zunächst auf ein Jahrestief von 110,13 Euro. Am frühen Nachmittag notierte sie mit 115,00 Euro fast 1,6 Prozent fester, während der DAX nachgab. Händler sprachen jedoch von einer technischen Reaktion, die mit der Umstrukturierung im Vertrieb wenig zu tun habe.

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