Apotherkertag: Union will Versandhandel von Arzneien blockieren

Apotherkertag
Union will Versandhandel von Arzneien blockieren

Trotz massiver Proteste der Apotheker will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) den Versandhandel von Arzneien sowie den Besitz von Kettenapotheken erlauben. Bei einem außerordentlichen Apothekertag bekräftigte sie am Mittwoch in Berlin zudem ihre Absicht, die Verdienstspannen der Apotheker vom Preis der Arzneien abzukoppeln.

HB/dpa BERLIN. Der Unions-Sozialexperte Horst Seehofer (CSU) kündigte dagegen an, seine Partei werde dem Arznei-Versandhandel - auch bei möglichen Konsensgesprächen - nicht zustimmen. "Wir lehnen das klipp und klar ab."

In einer Resolution wandten sich die gewählten Vertreter der rund 21 000 Apotheker strikt dagegen, den Versandhandel von Arzneien sowie den Besitz mehrerer Apotheken zuzulassen. Als Folge seien viele Apotheken in ihrer Existenz und damit die wohnortnahe Versorgung der Bürger gefährdet. Die Apotheker forderten Schmidt zudem auf, die Anfang 2003 verordneten Zwangsrabatte auf Arzneimittel zurückzunehmen. Diese belasteten die Apotheker unverantwortlich. Mindestens 15 000 Arbeitsplätze seien bedroht. "Nehmen Sie das entstandene Unrecht zurück", appellierte der Präsident des Dachverbandes ABDA, Hans-Günter Friese, an Schmidt.

Die Ministerin verteidigte dagegen die Pläne. "Das alles geht auch in anderen Ländern." Sie versprach den Apothekern, die wohnortnahe Versorgung der Bürger bleibe gesichert. Schmidt strebt auch eine Reform der Verdienstspannen der Apotheker an. So verdienen die Apotheker bisher am meisten, je teurer das Medikament ist. Dies will Schmidt ändern. Federführend für die Preisspannen-Reform ist allerdings Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD).

Schmidt bot Union und FDP Konsensgespräche an. Sie hoffe, dass man die Gesundheitsreform "gemeinsam mit allen Parteien im Bundestag" angehe. Rot-Grün braucht die Unions-Länder, um wichtige Reformteile durch den Bundesrat zu schleusen. Seehofer kündigte aber ein striktes Nein zum Versandhandel an. Dieser gefährde die Arznei-Sicherheit und das bewährte Vertriebssystem über Apotheken. Dem widersprachen die Betriebskrankenkassen (BKK). Das Gesundheitswesen könne es sich nicht leisten, Einsparmöglichkeiten zu verschenken. Der Versandhandel sei eine sinnvolle Ergänzung zu den Apotheken, erklärte der BKK- Bundesverband.

Rot-grüne Gesundheitsexperten räumen ein, dass manche Apotheken in ihrer Existenz gefährdet sein könnten. Allerdings gebe es in vielen Regionen zu viele Apotheken. Die Zahl der Apotheken war in den vergangenen beiden Jahren erstmals gesunken - und zwar um 0,1 beziehungsweise 0,5 %. In den Jahrzehnten zuvor hatte die Apothekenzahl dagegen stetig zugelegt.

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