Appell an Anwälte: Teil des Honorars stiften
Unerwartete Antragsflut von NS-Zwangsarbeitern

Eine unerwartet große Antragsflut könnte zur Kürzung der individuellen Entschädigungszahlungen an ehemalige NS-Zwangsarbeiter führen. Wie das Kuratoriumsmitglied Hans Otto Bräutigam der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" nach einer Sitzung in Berlin berichtete, muss mittlerweile mit rund 1,5 Millionen Anträgen gerechnet werden, 300 000 mehr als ursprünglich angenommen.

ap/dpa BERLIN/FRANKFURT. Der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag bleibe hingegen bei rund zehn Milliarden Mark. "Die Befürchtungen nehmen zu, dass wir mit dem Geld nicht auskommen", sagte Bräutigam. Das würde - bei dem vereinbarten System der Auszahlung in zwei Raten - bedeuten, dass die zweite Rate gekürzt werden müsse.

Die Jewish Claims Conference in Deutschland begann unterdessen mit den Entschädigungszahlungen. Zunächst erhalten 10 000 Menschen von bis zu 10 000 Mark, wie Karl Brozik, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, in Frankfurt am Main sagte. Der Vorsitzende der Bundesstiftung, Michael Jansen, sagte, bis Ende Juli würden in allen Ländern die ersten Entschädigungen ausgezahlt sein.



Wie Bräutigam in Berlin weiter berichtete, hat das Kuratorium der Stiftung die Honorare der Opfer-Anwälte in Höhe von insgesamt 123 Millionen Mark (62,9 Millionen Euro) gebilligt, weil dies in dem Entschädigungsvertrag so vorgesehen sei. Es habe aber förmlich an die Anwälte appelliert, einen "angemessenen Teil" des Honorars der Stiftung oder für einen vergleichbaren Zweck zu spenden.



Nach Angaben von Bräutigam soll jetzt auch denjenigen ehemaligen Zwangsarbeitern gezielt geholfen werden, die keine Dokumente zum Nachweis ihres Anspruchs auf Entschädigung mehr besitzen. Tausende Briefe dieser Art hätten die Stiftung erreicht. In 30 Prozent der Fälle könne der Suchdienst des Roten Kreuzes helfen. Für die übrigen 70 Prozent werde eine Verteilstelle eingerichtet.



Laut Aussage von Bräutigam verfügt die Stiftung derzeit über 9,5 Milliarden Mark, einschließlich 100 Millionen Mark Zinsen von der Wirtschaft. Die Wirtschaft habe angekündigt, auch den noch fehlenden Restbetrag in Kürze einzuzahlen. Die Stiftung selbst habe bisher 116 Millionen Mark Zinsen erwirtschaftet. Beschlossen wurden auch Richtlinien für die Entschädigung von NS-Opfern mit schweren Gesundheitsschäden.

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