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Applaus für Hotelgeschichten von René Pollesch

Braunschweig (dpa) - Der Dramatiker René Pollesch greift in seiner neuesten Produktion auf einen beliebten Schauplatz zurück: «Hallo Hotel.. .!» heißt seine in Braunschweig beim Festival «Theaterformen» vom Publikum mit viel Applaus honorierte Uraufführung.

Braunschweig (dpa) - Der Dramatiker René Pollesch greift in seiner neuesten Produktion auf einen beliebten Schauplatz zurück: «Hallo Hotel.. .!» heißt seine in Braunschweig beim Festival «Theaterformen» vom Publikum mit viel Applaus honorierte Uraufführung.

Auch in Polleschs Hotel treffen sich Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Doch in Polleschs Theaterstück muss sich das Publikum mit scheinbar unzusammenhängenden Sätzen auseinandersetzen. «Es ist ein Versuch, sich über ein Thema zu orientieren», sagte der Dramatiker. Meist geht es im Stück um Abhängigkeit - ob in der Liebe, beim Sex oder bei der Arbeit.

Im durchaus kurzweiligen und teils witzigen für Pollesch typischen «Schnellsprechbetrieb» werfen die Schauspielerinnen die Sätze geradezu in das Publikum - schreien sie, flüstern sie. Die Texte sind nicht eindeutig einer Figur zugeschrieben, sondern werden von den Darstellern abwechselnd gesprochen. Für den Zuschauer bleiben nach 90 Minuten vor allem Fetzen wie: «Ich habe überhaupt keinen Grund mich umzubringen, aber irgendwann wird es einen geben, also tue ich es gleich» oder: «Ich bin froh, dass jeder Kuss mich daran erinnert, welche Scheiße ich hier lebe, welche Scheiße ich hier erlebe» - so lautete auch der Arbeitstitel des Stückes, das Pollesch erst vorige Woche «Hallo Hotel.. .!» nannte.

Wie bei früheren Produktionen hat sich der Dramatiker von Filmen inspirieren lassen. «Opening Night» von John Cassavetes und «Der Nachtportier» von Liliana Cavanis bilden die Ausgangspunkte. In Cassavetes Film geht es um eine Schauspielerin, die sich gedemütigt fühlt, weil sie eine Ohrfeige bekommen soll. Bei Cavanis trifft ein SS-Scherge, der als Nachtportier untergetaucht ist, auf eine Frau, die er im Konzentrationslager als 14-Jährige zu seiner Geliebten gemacht hatte.

Im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters sind die Stuhlreihen entfernt. Das Publikum sitzt auf Holzpodesten mit roten Polstern oder auf Kisten, dazwischen liegen Teppiche. Die vier Schauspielerinnen agieren unmittelbar vor den Zuschauern in einer schrillen und bunten Kulisse. Pollesch schreibt nicht nur für die Theaterbesucher: «Die Schauspieler sollen über ihre Arbeitsbedingungen nachdenken, sie sollen sich an den Texten abarbeiten», sagte der Regisseur.

Die Koproduktion des Festivals und des Wiener Burgtheaters wird stark durch die Leistungen der Schauspielerinnen getragen, allen voran Sophie Rois von der Volksbühne Berlin. Ebenso wie Caroline Peters hat Rois bereits in zahlreichen Pollesch-Produktionen mitgewirkt. Stefanie Dvorak und Johanna Eiworth vom Burgtheater sind neu im Team.

Das Festival «Theaterformen» zeigt noch bis zum 19. Juni in Braunschweig und Hannover neue Produktionen aus aller Welt. «Hallo Hotel.. !» wird während des Festivals noch am 8. Juni in Braunschweig und am 12. und 13. Juni im Ballhof in Hannover zu sehen sein. Vom 18. bis 27. Juni wird die Produktion in Wien aufgeführt.

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