AQ-Studie zu Bankprognosen: Düstere Konjunkturlage erschwert Schätzungen
Telekom-Konzerne stellen Analysten auf harte Probe

Durch die schlechte Konjunkturlage brechen die Unternehmensgewinne deutlich stärker ein, als von Bankanalysten erwartet. Dadurch hat sich die Treffgenauigkeit ihrer Prognosen verschlechtert, ergab eine gestern veröffentlichten Studie des Londoner Instituts AQ Publications.

DÜSSELDORF. Am deutlichsten lagen die Analysten bei Sonera und KPN daneben. Bei dem norwegischen Mobilfunk-Betreiber und seinem niederländischen Konkurrenten schaffte kaum ein Bankanalyst eine zuverlässige Ertragsprognose. Gleiches gilt für Deutsche Telekom und France Télécom.

AQ-Chef Graham Field analysiert quartalsweise die Gewinnschätzungen für Europas Großkonzerne. Als Grundlagen dienen Analystenprognosen für die 100 größten kontinentaleuropäischen Konzerne im Aktienindex FTSE Eurotop 300 (für britische Unternehmen existiert eine Sonderauswertung).

AQ ermittelt die Prognosequalität für jeden Konzern. Zudem wird die durchschnittliche Treffgenauigkeit einzelner Bankhäuser verglichen. Dabei ergaben sich aber kaum Änderungen gegenüber dem Vorquartal (HB vom 26.07.01). Die jüngste Studie berücksichtigt noch keine Ergebnisse, die nach den US-Attentaten am 11. September veröffentlicht wurden. Ein Grund liegt nach Angaben von Field in Problemen beim Datenlieferanten Thomson Financial, der vom Einsturz des World Trade Center betroffen war.

Vielfältige Umstrukturierungen

Field führt die geringe Prognosequalität bei den Telekoms auf vielfältige Umstrukturierungen und Belastungen beim Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration (3G) zurück. "Ungeklärte Bilanzierungsfragen beim Verkauf von Geschäftsteilen machen Prognosen oft zum Ratespiel", sagt Field. Das gelte besonders für finanzschwache Unternehmen. Mit Sonera und KPN führen zwei Firmen die Negativliste an, deren Fortbestand nach Einschätzung der Analysten von ING Barings gefährdet ist. Höhere Trefferquoten erzielten die Analysten dagegen bei finanziell stabilen Telekomfirmen wie Telefónica.

Auch an manchen Autoherstellern bissen sich die Bankprofis die Zähne aus - so bei Fiat, Volkswagen und Renault. Dem negativen Branchentrend trotzten hingegen Peugeot und Daimler-Chrysler. Peugeot sei durch seine übersichtliche Modellpolitik gut einschätzbar, sagte Auto-Analyst Zee Lapthorne von Merrill Lynch, der die besten Peugeot-Prognosen ablieferte. Daimler-Chrysler galt lange als Vorbild in der Investor-Relations-Arbeit. Doch die einst hohe Prognosequalität ist bei dem Autoriesen mittlerweile auf Mittelmaß herabgesunken.

Hohe Trefferquoten bei Versicherern

Beim Versicherer Aegon und dem Handelskonzern Ahold erzielten die Analysten die höchsten Trefferquoten. Beides sind niederländische Unternehmen. Generell schneiden die Benelux-Länder bei AQ gut ab. "Dort geben die Manager den Analysten oft recht konkrete Hinweise auf die zu erwartenden Zahlen", sagt AQ-Chef Field.

Dagegen erwies sich Deutschland als schwierigste Region Europas für Analysten. Grund: Unter den hiesigen Großkonzernen sind die schwer abschätzbaren Branchen Telekom, Technologie und Auto besonders stark vertreten. Eine weitere Ursache für das schlechte Abschneiden sieht Field im Bilanzwirrwarr: So melden einige deutsche Konzerne ihre Zahlen nach dem Handelsgesetzbuch (HGB), einige nach US-GAAP und andere nach den International Accounting Standards (IAS). "Zudem pflegen viele deutsche Manager die Beziehungen zu den Investoren nicht besonders", sagt Field. Das könne daran liegen, dass die "Deutschland AG" lange Zeit eher durch Verschwiegenheit und wechselseitige Beteiligungen geprägt war als durch offene Kommunikation mit den Aktionären.

Als Beispiel nennt Field die jüngste Gewinnwarnung des Software-Anbieters SAP, die viele Finanzprofis völlig überraschte. Allerdings haben die deutschen Unternehmen nach Einschätzung des AQ-Chefs in der Investor-Relations-Arbeit zuletzt stark aufgeholt. Das werde sich voraussichtlich im nächsten Quartal zeigen. Dann gehen erstmals die Jahresabschlüsse 2001 in die AQ-Ranglisten ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%