Araber fürchten Gefahren für die Stabilität im Nahen Osten
Empörung in Ägypten und Jordanien

In der arabischen Welt herrscht überwiegend Furcht vor einem Wahlsieg des israelischen Likud-Chefs Ariel Scharon.

bce NICOSIA. Man sieht darin eine Gefahr für die Stabilität der gesamten Nahost-Region. "Sie wissen, er ist ein Schlächter, und sie wollen ihn doch als ihren Führer", empört sich ein palästinensischer Intellektueller und erinnert an Scharons Verantwortung als damaliger Verteidigungsminister für die Massaker, denen 1982 in den libanesischen Palästinenserlagern Sabra und Shatila bis zu 2 000 Zivilisten zum Opfer gefallen waren.

Die arabische, insbesondere die palästinensische Öffentlichkeit sieht in Ariel Scharon daher die "nackte Verkörperung des zionistischen Hasses auf die Araber", analysiert ein palästinensischer Kommentator. Kaum ein anderer israelischer General hätte so sehr den Hass zwischen Juden und Arabern geschürt wie der Herausforderer des amtierenden Premiers Ehud Barak.

Seit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem arabische Medien nicht akribisch die Liste jener Aktionen präsentieren, für die der "Bulldozer Sharon" seit den 50er Jahren zuständig war und die vielen arabischen Zivilisten das Leben kosteten. Seit einigen Wochen versucht der 73 Jahre alte Scharon zwar, sich als "Mann des Friedens" darzustellen. Doch dies kann die überwiegende Mehrheit der Araber alles andere als überzeugen.

Denn erst vor wenigen Tagen nannte Scharon in einem Interview mit dem US-Magazin "New Yorker" Palästinenserchef Jassir Arafat einen "Mörder und Lügner". Damit hat er aus arabischer Sicht auch die Beziehungen zu Israels Friedenspartnern Ägypten und Jordanien vergiftet. Empört über Bemerkungen aus Scharons Umgebung, Israel könnte Teheran, Kairo oder den Assuan-Staudamm bombardieren, stellte Ägyptens Präsident Hosni Mubarak klar: "Ägypten weiß sich zu verteidigen". Und in Amman schwingen die Wogen des Zornes hoch, seit es hieß "Jordanien ist Palästina" und das Königshaus vor Arafat gewarnt wurde, dieser wolle im Haschemitenreich einen Palästinenserstaat errichten und die Monarchie stürzen.

Arafat und seine Getreuen halten Scharon für "rasend und gefährlich", seinen befürchteten Wahlsieg für eine "Katastrophe", seine Friedenspläne für eine "Kriegserklärung". Sie verweisen darauf, dass Scharon weder etwas von der Aufgabe jüdischer Wehrdörfer auf palästinensischem Boden wissen wollte, noch vom Abzug der israelischen Streitkräfte aus 95 % des westjordanischen Territoriums etwas wissen will, wie Barak dies vorschlug.

Doch nicht alle Araber sehen in einem Wahlsieg Scharons das schlimmste Szenario, das der Region dann drohen könnte. Radikale Kräfte hoffen nämlich, er werde dem von ihnen abgelehnten Friedensprozess den Todesstoß versetzen. "Die Region ist ein Pulverfass. Sharon könnte die Zündschnur sein", warnt ein arabischer Intellektueller.

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