Araber klagen über Diskriminierungen
Neuer Ton im US-Flugzeug: „Schlagt Entführer nieder“

Es war wie eine Lehrstunde im Seminar Gruppendynamik. United Airlines Flug 564, vier Tage nach den Anschlägen: Kurz vor dem Abheben in Denver, US-Bundesstaat Colorado, schwört der Pilot seine verunsicherten Passagiere auf den gemeinsamen Kampf gegen Terroristen ein.

dpa WASHINGTON. "Vielen Dank, dass Sie so mutig sind, heute zu fliegen. Wenn die Tür gleich zugeht, sind wir auf uns selbst gestellt", hörten Peter Hannaford und die knapp 200 anderen Passagiere über Bordlautsprecher aus dem Cockpit. "Deshalb unser Plan: Sollte einer aufstehen, mit einem Messer herumfuchteln und schreien: "Dies ist eine Entführung!", dann steht alle auf und beschmeißt ihn mit Kissen, Büchern und Schuhen, damit er die Balance verliert. Werft eine Decke über ihn, schlagt ihn zu Boden und haltet ihn fest. Wir werden das Flugzeug dann auf dem nächsten Flughafen landen."

Die Passagiere waren nach Angaben von Hannaford begeistert, ohne Ausnahme. "Man konnte das Erleichterungsgefühl deutlich spüren." Das Gefühl der Machtlosigkeit, das viele vor allem so kurz nach den Anschlägen beim Besteigen des Flugzeugs befallen hatte, war auf Flug 564 wie weggeblasen. "Er hat uns wirklich das Gefühl gegeben, dass wir was tun können", sagte Hannaford, der mit seiner Frau im Flugzeug saß, der dpa. "Wenn bloß die Passagiere in den am 11. September entführten Maschinen so einen Hinweis bekommen hätten", meinte der Public-Relations-Experte aus Washington.

United Airlines hat mit der Piloteninitiative keine Probleme. "Wir haben die Vorgaben, was Piloten den Passagieren sagen sollen, zwar nicht geändert", sagt United Sprecher Chris Brathwaite in Chicago. "Aber der Flugkapitän kann weitgehend selbst entscheiden, was er über die Sicherheitshinweise hinaus sagen will." Getadelt wurde der Pilot nicht. Als Kapitän ist er an Bord allein für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Passagiere zuständig. Diese Verantwortung hat er nach Meinung der Mitfliegenden mit Bravour gemeistert.

Fluggesellschaften über Diskriminierungen besorgt

Das neue Selbstbewusstsein von Passagieren und Crewmitgliedern bekommen allerdings dunkelhäutige Reisende immer öfter schmerzlich zu spüren. Ashraf Khan, ein Amerikaner pakistanischer Abstammung, wurde am vergangenen Montag in San Antonio aus einem Flugzeug der Delta Airlines komplementiert. Die Besatzung fühle sich mit ihm an Bord nicht sicher, beschied der Pilot. Am Dienstag seilten sich in Washington zwei Northwest-Piloten vor dem Start aus dem Cockpit ab, weil eine Stewardess Alarm geschlagen hatte. Ein Araber wurde aus der Maschine gebeten. Am Donnerstag musste der Ägypter Maged Eisherbiny in Chicago aus einer United-Maschine aussteigen. Am selben Tag wurde ein 15-Jähriger aus Saudi-Arabien in Atlanta aus einer Delta - Maschine geholt, nachdem Passagiere Bedenken geäußert hatten.

Die unwillkommenen Passagiere wurden auf spätere Maschinen gebucht und setzten ihre Reise fort. Viele sind jedoch empört. "Nur weil die Leute, die den Anschlag verübten, Moslems waren, sind doch nicht alle Moslems schlecht", sagte Khan später. Einige haben inzwischen Klagen wegen Diskriminierung angekündigt.

Die Fluggesellschaften sind über diese Vorfälle besorgt. Delta hat seine Angestellten in einem Brief daran erinnert, alle Fluggäste gleich zuvorkommend zu behandeln. Allerdings können die Piloten den Abflug verweigern, wenn sie selbst oder die Mehrheit der Passagiere Sicherheitsbedenken haben. "Der Pilot hat jeden Spielraum, wenn die Türen einmal geschlossen sind", sagt der Sprecher der Luftfahrtbehörde (FAA), Roland Herwig.

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