Araber kritisieren Deutschland
Taliban kündigen "Rache" für möglichen US-Angriff an

Die Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff der USA als Vergeltung für die verheerenden Anschläge in New York und Washington haben sich am Freitag verdichtet. Die Taliban-Miliz rechne mit einem solchen Schritt und sei "bereit, jeden Preis zu zahlen, um sich zu verteidigen", hieß es aus Kabul.

HB DÜSSELDORF. Die afghanische Taliban-Miliz hat "Rache" für einen möglichen US-Angriff angekündigt. Die Taliban-Miliz rechne mit einem solchen Schritt und sei "bereit, jeden Preis zu zahlen, um sich zu verteidigen", sagte ein Sprecher von Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar am Freitag. In Afghanistan wird der Fundamentalistenführer Osama Bin Laden vermutet, in dem die USA den Drahtzieher hinter den Terroranschlägen vom Dienstag sehen.

Die US-Regierung bat indes nach einem Bericht der pakistanischen Zeitung "The Nation" Islamabad um die Erlaubnis, Pakistans Luftraum für die Verfolgung von "Terroristen in Afghanistan" nutzen zu können. Der Flughafen der pakistanischen Hauptstadt wurde in der Nacht vorübergehend geschlossen. Washington vermutet den aus Saudi-Arabien stammenden Moslemfundamentalisten Osama Bin Laden als Drahtzieher hinter den Anschlägen vom Dienstag, bei denen tausende Menschen getötet wurden. Bin Laden soll sich in Afghanistan versteckt halten.

Liste mit konkreten Aktionen in Planung

Nach Angaben der Zeitung "Dawn" unterbreitete Washington der pakistanischen Regierung eine Liste mit "konkreten Aktionen" gegen die mutmaßlichen Hintermänner der Anschläge. Am Donnerstag hatte es Beratungen zwischen Spitzenpolitikern der USA und Pakistans gegeben. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hatte Washington die vollständige Unterstützung seines Landes bei der Fahndung nach den Tätern zugesichert.

Der Flughafen von Islamabad wurde für mehr als fünf Stunden geschlossen. Die Polizei in Islamabad nannte keine Gründe für diesen Schritt.

Musharraf traf am Freitagmorgen mit der Armeespitze zusammen, um über einen möglichen Beistand für die USA zu beraten. Das Treffen fand nach Angaben eines Militärsprechers im Armee-Hauptquartier in Rawalpindi bei Islamabad statt.

Indien bietet USA Militäreinrichtungen an

Auch Indien will den USA nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium in Neu-Delhi die Nutzung seiner Militäreinrichtungen erlauben, falls die USA sie brauchen, um Vergeltung zu üben für die Anschläge in New York und Washington. Aus dem Ministerium verlautete am Freitag, das Thema sei vor dem Beschluss am Mittwoch im Sicherheitsausschuss des Kabinettes beraten worden. Die "Times of India" hatte vor der Mitteilung den Außen- und Verteidigungsminister Jaswant Singh mit den Worten zitiert, Indien werde gegebenenfalls logistische Hilfe leisten oder als Aufmarschgebiet für einen amerikanischen Militäreinsatz bereit stehen.

Deutliche Kritik an Deutschland

Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den US-Ermittlern ihre Unterstützung bei der Suche nach den Drahtziehern der Terroranschläge zugesagt. Politiker äußerten gleichzeitig Kritik am Umgang der europäischen Staaten mit mutmaßlichen Extremisten. "Wir wissen genau, wie sie heißen, wo sie wohnen und was sie tun, aber Staaten wie Deutschland sind nicht bereit, sie auszuliefern", sagte der Vorsitzende des Komitees für internationale Beziehungen des ägyptischen Parlaments, Mohammed Maher Abaza, am Donnerstagabend in Kairo. "Von den deutschen Behörden hören wir immer, sie hätten diese Leute im Blick und unter Kontrolle, doch die Durchsuchungen in Hamburg zeigen ja, dass dies nicht stimmt." In Ägypten sind in den vergangenen Jahren zahlreiche mutmaßliche islamische Extremisten hingerichtet worden.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak betonte unterdessen in Telefonaten mit US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung.

In den Emiraten wurden nach Angaben der lokalen Presse vom Freitag inzwischen mehrere Männer aus dem Umfeld von Marwan el Schehi vernommen, der nach Angaben der US-Ermittler wahrscheinlich zu den Todespiloten gehörte und bis April 2000 in Hamburg lebte. Die Sicherheitsbehörden der Vereinigten Arabischen Emirate sind sich aber noch nicht sicher, ob Marwan el Schehi mit dem Mann identisch ist, der angeblich an dem Verbrechen beteiligt war, da ihm am 26. Dezember 1999 ein Ersatz für seinen verlorenen Pass ausgestellt worden war.

Auch das Herrscherhaus von Saudi-Arabien sagte den USA seine Hilfe bei den Ermittlungen zu. Unter den Attentätern sollen nach Angaben der US-Fahnder angeblich zwei Brüder saudischer Herkunft sein.

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