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Araber und andere Ausländer verlassen Kabul

Aus Angst vor möglichen US-Vergeltungsschlägen wegen der Attentate in New York und Washington haben arabische Staatsbürger die afghanische Hauptstadt Kabul verlassen. Es sei unklar, wie viele Araber in Kabul lebten, doch fast alle hätten die Stadt verlassen, berichteten Einwohner am Donnerstag.

Reuters KABUL. Zudem hätten Menschen begonnen um Kabul herum Schutzgräben auszuheben. Einem Zeitungsbericht zufolge haben arabische Extremisten in Afghanistan ihre Lager geräumt. Am Donnerstag verließen auch die Kontaktleute der acht inhaftierten Ausländer, die wegen christlicher Missionierung festgenommen wurden, die Stadt. Zuvor hatte die UNO ihr Personal abgezogen.

Bei der Untersuchung der Anschläge vom Dienstag sind immer mehr der aus Saudi-Arabien stammende Islamist Osama bin Laden und seine internationale Organisation "El Kaeda" ins Visier geraten. Bin Laden lebt als Gast der radikal-islamischen Taliban-Regierung in Afghanistan. Bin Laden wird als Drahtzieher der Anschläge in den USA verdächtigt. Bin Laden ließ indes bekräftigen, mit den Terroranschlägen nichts zu tun gehabt zu haben. 1998 beschossen die USA Lager Bin Ladens in Afghanistan mit Marschflugkörpern, weil sie ihn hinter der Sprengung ihrer Botschaften in Kenia und Tansania im gleichen Jahr vermuteten.

Ruhe in Kabul

Trotz der erwarteten Vergeltungsanschläge blieb Kabul am Donnerstag zunächst ruhig. "Mir sind US-Anschläge egal", sagte ein Angestellter der Regierung. "Ich habe mein halbes Leben an den Lärm von Artillerie, Hubschraubern und Gefechten verloren."

Die UNO hatte ihr Personal bereits am Mittwoch angewiesen, Afghanistan zu verlassen. Es wurde erwartet, dass auch die meisten ausländischen Journalisten am Donnerstag das Land verlassen würden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, alle noch verbleibenden 23 Deutschen, die meisten davon Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, seien dabei, das Land zu verlassen. Das internationale Komitee des Roten Kreuzes teilte mit, seine ausländischen Mitarbeiter würden zunächst in Afghanistan bleiben.

Die Kontaktleute der acht inhaftierten Ausländer verließen am Donnerstag Afghanistan. "Leider müssen wir Afghanistan wegen der jüngsten Entwicklungen verlassen", hatte der deutsche Diplomat Helmut Landes der Nachrichtenagentur Reuters kurz vor seinem Abflug nach Pakistan gesagt. Die Sicherheitslage in dem Land habe sich auch wegen der Anschläge der Anti-Taliban-Allianz in der Nacht zu Mittwoch verändert, dass es jetzt richtig sei, das Land zu verlassen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Zuvor hatten die westlichen Diplomaten noch gemeinsam mit der Taliban einen Verteidiger für die Inhaftierten benannt. Die Diplomaten hätten die Taliban allerdings erneut aufgefordert, die Inhaftierten als Zeichen des guten Willens freizulassen, sagte der Sprecher. Die vier deutschen, zwei australischen und zwei US-amerikanischen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now International" sind seit Anfang August in Afghanistan in Haft.

Pakistan stellt sich auf Seite der USA

Als Indiz dafür, dass die USA Maßnahmen gegen Afghanistan in Erwägung ziehen, wurde eine Anfrage der USA an Pakistan gewertet. Auf die Frage, ob Pakistan - Hauptunterstützer der Taliban - helfen würde, auf die Anschläge in den USA zu reagieren, erklärte Pakistans Militärmachthaber General Pervez Musharraf im Fernsehen: "Alle Staaten müssen sich in dieser gemeinsamen Sache zusammentun. Ich versichere Präsident Bush und die US-Regierung unserer vollen Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus." US-Präsident George W. Bush hatte Vergeltung für die Anschläge angekündigt.

Am Mittwoch entschied die Nato erstmals in ihrer Geschichte, dass der kollektive Verteidigungsfall nach Artikel Fünf des Nato-Vertrages eintreten werde, sollten die Anschläge gegen die USA aus dem Ausland gegen die USA gerichtet sein. Artikel Fünf fordert von jedem Mitgliedsstaat der Nato, einem Verbündeten im Falle eines bewaffneten Angriffs unverzüglich, einzeln und gemeinsam mit anderen beizustehen. Dies beinhaltet auch den Einsatz des Militärs. Das angegriffene Land muss den Nato-Beistand einfordern.

Die Taliban warnten, US-Vergeltungsanschläge würden in der Region weiteren Hass säen. Die Taliban hatten die Anschläge als humanitäre Katastrophe verurteilt und mitgeteilt, Bin Laden sei in die Anschläge nicht verwickelt.

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