Arabische Liga fordert Abbruch diplomatischer Kontakte
Spannungen im Nahen Osten verschärfen sich

Die Spannungen im Nahen Osten haben sich weiter verschärft: Die Arabische Liga forderte am Samstag auf einer Sondersitzung in Kairo ihre Mitglieder auf, alle diplomatischen Kontakte zu Israel abzubrechen. Israel sprach von einer unklugen Entscheidung und Propaganda und verteidigte seine Luftangriffe auf palästinensische Ziele am Freitag. Trotz internationaler Appelle hielt die Gewalt unterdessen an.

ap KAIRO/NABLUS. Die Entscheidung der Arabischen Liga werde sich wie ein Bumerang gegen die Araber selbst wenden, sagte am Samstagabend ein israelischer Regierungssprecher. Zugleich kritisierte er, die Arabische Liga habe den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat nicht zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Seit Freitag wurden 16 Palästinenser und sechs Israelis getötet.

Die Forderung der Liga, die diplomatischen Beziehungen zu Israel einzustellen, ist zwar nicht bindend, verfasst wurde sie jedoch von dem jordanischen Außenminister Abdul Illah Chatib und dem ehemaligen ägyptischen Außenminister Amr Mussa, dem derzeitigen Generalsekretär der Liga. Die zwei Politiker hatten bislang zwischen beiden Seiten zu vermitteln versucht. Die Aussetzung der Kontakte soll so lange bestehen bleiben, wie die Gewalt gegen das palästinensische Volk andauere, hieß es in einer Abschlusserklärung des Treffens. Arafat sprach in Kairo von der `Entscheidungsschlacht um Palästina".

Trotz des Aufrufs bemühten sich Ägypten und Jordanien weiterhin um eine Vermittlung in der Krisenregion, erklärte der ägyptische Präsident Husni Mubarak am Sonntag. Er warf dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon zugleich vor, er versuche, die ägyptisch-jordanische Friedensinitiative zu verwässern. Israel setze exzessiv militärische Gewalt ein.

Als Reaktion auf das Selbstmordattentat eines Palästinensers, das am Freitag sechs Israelis in den Tod riss, hatte Israel erstmals seit 1967 Kampfflugzeuge gegen palästinensische Ziele eingesetzt. Dabei wurden etwa ein Dutzend Palästinenser getötet. Scharon verteidigte die Angriffe am Sonntag in einem Interview mit der Zeitung "Jediot Ahronot": Es werde getan, was erforderlich sei, um die Israelis zu schützen.

Auch Russland verurteilt Luftangriffe

Die Angriffe stießen im Ausland auf scharfe Kritik. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich tief beunruhigt über die nach seiner Ansicht unangemessene israelische Reaktion. Auch Russland verurteilte die Angriffe. US-Außenminister Colin Powell forderte am Samstag nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow beide Seiten zu einer bedingungslosen Waffenruhe auf. Bundesaußenminister Joschka Fischer rief zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

In Nablus nahmen zehntausende Palästinenser an der Beisetzung von Opfern der Luftangriffe teil und forderten Rache. Bei folgenden Ausschreitungen erschossen israelische Soldaten laut Augenzeugen einen Palästinenser. Israelische Kampfhubschrauber beschossen am Samstag auch Ziele in den Städten Dschenin und Tulkarem. In Tulkarem wurden etwa 30 Menschen verletzt. Bei einem Gefecht in Ramallah wurden zwölf Palästinenser verletzt.

Peres zu Gesprächen in Moskau

Der israelische Außenminister Schimon Peres traf am Sonntag zu Gesprächen über die Lage im Nahen Osten in Moskau ein. Auf dem Flughafen verteidigte auch er die jüngsten Luftangriffe auf Ziele in den palästinensischen Autonomiegebieten. Die Erklärung der Arabischen Liga vom Samstag bezeichnete Peres als entmutigend. Geplant ist ein Treffen am Montag mit Präsident Wladimir Putin. Daneben will Peres seinen Kollegen Iwanow und Vizeministerpräsident Ilja Klebanow treffen.

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