Arabische Liga verurteilt Israel
31 Tote bei Palästinenser-Unruhen

Erstmals griffen die gewalttätigen Proteste der Palästinenser auch auf die arabische Bevölkerung Israels im Norden des Landes über. Seit Beginn der Unruhen am Donnerstag sind nach palästinensischen Angaben 31 Palästinenser ums Leben gekommen und weit über 600 zum Teil schwer verletzt worden.

dpa JERUSALEM/GAZA/KAIRO. Die blutigen Unruhen in den palästinensischen Autonomie-Gebieten haben am Sonntag einen neuen Höhepunkt erreicht. Erstmals griffen die gewalttätigen Proteste der Palästinenser auch auf die arabische Bevölkerung Israels im Norden des Landes über. Seit Beginn der Unruhen am Donnerstag sind nach palästinensischen Angaben 31 Palästinenser ums Leben gekommen und weit über 600 zum Teil schwer verletzt worden.

Die Arabische Liga verurteilte Israel wegen der jüngsten Ausschreitungen in Jerusalem in scharfer Form. In einer am Sonntag in Kairo verabschiedeten Erklärung hieß es: "Diese Regierung ist voll für das schreckliche Massaker verantwortlich." Die 22 ständigen Repräsentanten der arabischen Staaten verlangten zugleich eine internationale Untersuchung der "fürchterlichen Verbrechen" sowie ein Verfahren gegen die israelischen Verantwortlichen vor dem internationalen Gerichtshof.

Unterdessen scheiterten zunächst Versuche, die Unruhen auf diplomatischem Wege zu beenden, obwohl Israels Ministerpräsident Ehud Barak mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat in ständigem telefonischen Kontakt stand. Barak erklärte, er werde es "nicht hinnehmen, dass die Gewalt zu einem Werkzeug im Friedensprozess" werde. Arafat wiederum drohte, er wolle den UN-Sicherheitsrat anrufen, falls die Gewalt nicht innerhalb von 24 Stunden ende.

Nach israelischen Angaben weigerte sich der palästinensische Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dachlan, am Sonntag, mit Israels Generalstabschef Schaul Mofas zu sprechen. Dachlan, aber auch andere Palästinenser, warfen Israel vor, unverhältnismäßig massive Gewalt gegen die Demonstranten einzusetzen, die die israelischen Soldaten meist mit Steinen, Molotow-Cocktails oder Morgenstern- ähnlichen Geschossen angriffen.

An wenigen Orten, vor allem im Gazastreifen, in Ramallah und bei Nablus kam es zum Teil zu stundenlangen Schusswechseln. Über die Zahl der dabei verletzten Israelis lagen zunächst keine offiziellen Angaben vor.

Erstmals weiteten sich die Proteste auch auf die arabischen Gebiete in Nord-Israel aus. In der israelisch-arabischen Stadt Umm- el-Fachem wurde nach israelischen Berichten ein 20-jähriger Mann getötet. Zusammenstöße wurden ferner aus der überwiegend christlichen Stadt Nazareth gemeldet, wo hunderte maskierter Jugendlicher Steine auf die israelische Polizei warfen. Diese antwortete mit Tränengas- Granaten und gummiummantelten Stahlgeschossen.

Die meisten der Toten vom Samstag wurden am Sonntagmittag unter großer Anteilnahme der palästinensischen Bevölkerung beerdigt. Unter den Getöteten war auch ein zwölfjähriger Junge, der am Samstag ins Kreuzfeuer palästinensischer Heckenschützen und der israelischen Armee geraten war. Wegen des tragischen Zwischenfalls wurden die palästinensischen Schulen bis Dienstag geschlossen, um zu verhindern, dass Kinder auf dem Schulweg zwischen die Fronten kommen. Unmittelbar nach den Begräbnissen gab es neue Ausschreitungen.

Die Unruhen hatten am Donnerstag nach einem Besuch des rechtsgerichteten israelischen Oppositionspolitikers Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem begonnen, den die Palästinenser als Provokation empfanden. Der Streit um diesen von Juden und Moslem als heilig verehrten Ort, den die Moslems Haram el Scharif (Edles Heiligtum) nennen, lähmt seit Monaten den Friedensprozess im Nahen Osten.

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