Arabische Welt ist für viele deutsche Verläge noch kein Markt
Arabische Dichter in Deutschland kaum bekannt

Auf den großen Durchbruch als Schriftsteller muss der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein zumindest in Deutschland noch warten: Die Verkaufszahlen seines Liebesromans "Zabibah und der König" seien "absolut nicht bemerkenswert", heißt es im Buchhandel.

HB FRANKFURT. Damit geht es dem gestürzten Despoten ähnlich wie den meisten seiner unbekannteren arabischen Schriftsteller-Kollegen: Bis auf einige berühmte Namen werden sie kaum wahr genommen. Auch ökonomisch gesehen ist der literarische Austausch zwischen den beiden Sprachregionen nach Einschätzung von Experten noch zu vernachlässigen.

Die Frankfurter Buchmesse mit der arabischen Welt als diesjähriger Gastregion soll dies ändern. "Die arabische Welt ist für viele deutsche Verlage noch kein Markt", sagt Peter Ripken von der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Nur etwa 500 Titel aus der arabischen Welt seien derzeit in Deutschland erhältlich - bei einem Gesamtangebot von 125 000 Werken.

Und einige der 500 Werke kommen von Autoren, die zwar aus einem arabischen Land stammen, mittlerweile aber in Deutschland leben und auf Deutsch schreiben. Zu ihnen zählen etwa der aus Syrien stammende Rafik Schami und der als Sohn eines Beduinenscheichs in der Negev-Wüste geborene Salim Alafenisch.

Knapp 200 arabische Werke wurden in den vergangenen zehn bis 15 Jahren nach Ripkens Aussage ins Deutsche übersetzt. Zum Vergleich: Allein 2003 brachten deutsche Verlage rund 80 000 neue Bücher auf den Markt und kauften die Lizenzen für gut 7 500 ausländische Bücher, die Hälfte davon aus dem englischsprachigen Raum. "In Deutschland ist das Interesse an arabischer Literatur unterentwickelt", begründet er den mageren Anteil arabischer Werke am deutschen Gesamtbuchmarkt. Es gebe nur wenige bekannte Autoren wie der Marokkaner Tahar Ben Jelloun, die Algerierin Assia Djebar oder der Ägypter Nagib Machfus, die hier Auflagen mit über 10 000 Exemplaren erzielten.

Das mangelnde Interesse hat nach Einschätzung Ripkens viel mit den sehr konkreten Vorstellungen des deutschen Publikums von arabischer Literatur zu tun. "Viele arabische Autoren schreiben nicht, was die deutschen Leser erwarten. Da sind nicht überall Tausendundeine Nacht, Schleier und Despoten in den Büchern drin." Es gebe zwar aufregende Texte. "Aber niemand nimmt sie zur Kenntnis, weil sie die Vorurteile nicht erfüllen." Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 habe in Deutschland das Interesse zwar zugenommen. Es konzentriere sich aber stark auf Bücher über die arabische Welt.

"Bücher über die arabische Welt verkaufen sich viel besser als Bücher arabischer Autoren, die uns einen kritischen Spiegel vorhalten", beschreibt Ripken die Entwicklung. Er spricht von einem Peter-Scholl-Latour-Syndrom in Anlehnung an den bekannten Journalisten, der häufig Interviews als Nahost-Experte befragt wird. "Das Grundproblem hat sich seit dem 11. September 2001 noch verschärft, weil die Scholl-Latours dieser Welt seither viel mehr produziert haben." Auf jedes aus dem Arabischen übersetzte belletristische Werk kämen mittlerweile mindestens zwei Sachbücher über die arabische Welt.

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