Arafat bei Clinton
Anschlag auf Polizeipatrouille in Jerusalem

Die erneuten Unruhen werden aus Washington kritisch gesehen. Die US-Regierung befürchtet, dass die Bemühungen um eine Nahost-Lösung darunter leiden könnten, hieß es heute.

ap JERUSALEM. In Erwartung neuer Unruhen haben die israelischen Behörden am Freitag den Zugang zur Al-Aksa-Moschee in Jerusalem abgeriegelt. Bei einem Anschlag auf eine Polizeipatrouille am Rand der ummauerten Altstadt wurde ein Polizist leicht verletzt. Unterdessen erklärte sich der palästinensische Präsident Jassir Arafat in Washington zu einem neuen Nahost-Gipfel mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak bereit.

Bei den strikten Polizeikontrollen am Tempelberg wurde wie schon in den Vorwochen vor dem Freitagsgebet jeder Palästinenser unter 45 Jahren zurückgewiesen. Diesmal aber war die Atmosphäre besonders gespannt, nachdem am Donnerstag das führende Fatah-Mitglied Hussein Abajat bei einem israelischen Hubschrauberangriff in der Nähe von Bethlehem getötet worden war. Im Westjordanland wurden Flugblätter verbreitet, auf denen zu Rache für den Anschlag aufgerufen wurde; als Ziel nannten die Verfasser den israelischen Armeechef, Generalleutnant Schaul Mofas.

In Jerusalem kam das Kabinett zusammen, um über mögliche Auswirkungen des Angriffs zu beraten. Dabei wurde auch über den Plan einer einseitigen Abschottung Israels zu den den palästinensischen Autonomiegebieten diskutiert. Der vom stellvertretenden Verteidigungsminister Ephraim Sneh vorgelegte Vorschlag sieht die Errichtung von Befestigungsanlagen vor.

In Washington löste die neuerliche Eskalation Besorgnis aus. "Gewalt bringt neue Gewalt hervor", sagte der Nationale Sicherheitsberater Sandy Berger. "Wir müssen einen Weg finden, um diesen Kreislauf zu durchbrechen." Die US-Regierung befürchtet, dass neue Unruhen die gerade wieder neu belebten Bemühungen um eine Lösung des Konflikts gefährden könnten.

Arafat sagte nach einem mehr als zweistündigen Gespräch mit US-Präsident Bill Clinton in Washington, ein weiteres Gipfeltreffen mit Barak in den USA müsse gut vorbereitet sein, um einen Erfolg zu gewährleisten. So müssten der künftige Status von Ostjerusalem und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge zur Sprache kommen. Arafat machte erneut Israel für die seit sechs Wochen anhaltende Welle der Gewalt im Nahen Osten verantwortlich. Im Anschluss an seine Gespräche in Washington wollte er in New York bei den Vereinten Nationen um Unterstützung werben. Am Sonntag wird Barak in Washington erwartet.

Der amerikanische UN-Botschafter Richard Holbrooke warnte vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten. "Wir sehen uns einer Situation außergewöhnlicher Gefahr gegenüber", sagte Holbrooke am Donnerstagabend bei einer Preisverleihung in New York. Die gegenwärtige Krise im Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern sei die größte Bedrohung des Friedens seit dem letzten Nahostkrieg von 1973. Holbrooke versicherte, dass sich US-Präsident Bill Clinton in den verbleibenden 70 Tagen seiner Amtszeit in vollem Umfang für eine Konfliktbereinigung engagieren werde.

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