Arafat bei Putin
Wieder Tote in Nahost - Arafat nach Moskau

Die vor sieben Wochen im Nahen Osten ausgebrochene Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern hat am Donnerstag auf beiden Seiten wieder Menschenleben gefordert.

dpa JERUSALEM/GAZA. Einen Tag nach dem schweren Bombenanschlag in der israelischen Stadt Hadera kam es im Gazastreifen und Westjordanland zu zahlreichen tödlichen Zwischenfällen.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation bekannte sich inzwischen zu dem Attentat in Hadera, bei dem durch eine Autobombe zwei Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden waren. Israels Regierungschef Ehud Barak und seine wichtigsten Minister wollten am Abend ihre Beratungen über einen möglichen Vergeltungsschlag fortsetzen.

Unterdessen gingen internationalen diplomatische Bemühungen um eine Beilegung des blutigen Konflikts weiter. So hat der russische Präsident Wladimir Putin nach Angaben von Palästinenserchef Jassir Arafat eine Initiative zur Beendigung der Gewalt in einem Brief an ihn vorgeschlagen. Arafat will an diesem Freitag Putin in Moskau treffen und ihn um Vermittlung in der Nahost-Krise bitten.

Im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben bei einem Handgranaten-Angriff mutmaßlicher Extremisten ein israelischer Offizier getötet und zwei Palästinenser verletzt. Israels Armeesprecher Ron Kitri sagte, die Explosion habe sich im Bereich eines israelisch-palästinensischen Koordinationsbüros ereignet, wo bisher Sicherheits-Offiziere beider Seiten zusammenarbeiteten. Ein Palästinenser wurde bei einem Schusswechsel im Gaza-Streifen getötet.

Ein Mitglied der radikalislamischen Hamas-Organisation wurde in der Autonomiestadt Nablus im Westjordanland bei der Explosion seines Autos getötet. Der 33-jährige Ibrahim Bani Odeh soll kurz zuvor aus dem Gefängnis der Stadt entlassen worden sein. Zunächst hatte es geheißen, das Auto des Mannes sei von einem israelischen Kampfhubschrauber mit einer Rakete beschossen worden. Dann war von einer Autobombe die Rede, die möglicherweise vorzeitig explodierte. Israel bestritt, dass es Kampfhubschrauber gegen den Hamas-Aktivisten eingesetzt habe. Die Armee gab aber zu, dass ein Flugzeug der Luftwaffe bei einem Manöver versehentlich eine Bombe ohne Sprengsatz über Nablus abgeworfen habe.

US-Außenministerin Madeleine Albright setzte sich in einem Telefongespräch mit ihren israelischen Amtskollegen Schlomo Ben-Ami am Donnerstag für die Einrichtung von "Pufferzonen" zwischen Gebieten unter israelischer und palästinensischer Kontrolle ein. Russland rief Israel und die Palästinenser zur Zurückhaltung auf. In einer Erklärung des russischen Außenministeriums wurde Israel gedrängt, von Vergeltungsschlägen für den Anschlag in Hadera abzusehen.

Arafat hat Israel über den türkischen Außenminister Ismail Cem nach Medienberichten eine Botschaft übermittelt, wonach er an einer Beendigung der Gewalt und Rückkehr an den Verhandlungstisch interessiert sei. In Jerusalem sei die Botschaft mit Skepsis aufgenommen worden, hieß es.

Wegen des Bombenanschlags von Hadera kam es am Mittwochabend bei einer Debatte im Weltsicherheitsrat in New York zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen den Vertretern Israels und der Palästinenser. Israels UN-Botschafter Yehuda Lancry bezichtigte Palästinenserführer Arafat, sich "für Feuer und Blut" entschieden zu haben. Der palästinensische UN-Botschafter Nasser Al-Kidwa warf Israels Ministerpräsidenten Ehud Barak vor, die Palästinenser betrogen zu haben. Die Debatte endete ohne Beschlüsse.

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