Arafat beklagt "ungerechten" Krieg Scharons gegen die Palästinenser
Israel setzt Angriffe gegen Palästinenser fort

Israel hat am Sonntag mit Kampfhubschraubern erneut Einrichtungen der Palästinenser-Polizei im Gaza-Streifen angegriffen. Im Westjordanland riegelte die Armee drei Dörfer ab, wo sie Gesinnungsgenossen der Extremisten vermutete, die in den vergangenen vier Wochen über 40 Israelis mit Selbstmordanschlägen töteten.

rtr/afp JERUSALEMRAMALLAH. Bei den Einsätzen sind seit Donnerstag über 60 Palästinenser verhaftet und 13 getötet worden. Israel will erst aufhören, wenn die Palästinenser- Regierung selbst für die Verhaftung der Drahtzieher der Anschläge sorgt. Sie kündigte für Sonntag (17.00 Uhr MEZ) eine Ansprache Palästinenser-Präsident Jassir Arafats an die Weltöffentlichkeit an.

Zwei Hubschrauber feuerten nach palästinensischen Angaben in Dschabalija vier Raketen auf Gebäude der Polizei und der Geheimpolizei ab. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, teilte die Polizei mit. Die israelische Armee sprach von Vergeltung für einen Granatwerferangriff auf einen ihrer Posten. In der Nachbarschaft der Stadt Dschenin riegelte die Armee drei Ortschaften ab. Sie nannte das eine Abschreckungsmaßnahme. Dschenin hatte zu den sieben Städten gehört, die Israel nach dem Mord an einem Minister im Oktober vorübergehend besetzt hatte, um nach Extremisten zu fahnden.

Der neue Ausbruch von Gewalt und Gegengewalt hat die Vermittlungsversuche des neuen US-Friedensbeauftragten Anthony Zinni vorerst scheitern lassen. Er wurde am Samstag zu Konsultationen nach Washington gerufen. Er werde nach Lageberatungen mit Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell aber zurückkehren, um sich weiter um einen Waffenstillstand bemühen, sagte ein Sprecher Powells.

Die Waffenruhe soll den Weg zurück zu Verhandlungen über den endgültigen Status der besetzten Gebiete ebnen. Dazu gehört auch Ost-Jerusalem, das Arafat am Sonntag noch einmal als Hauptstadt des künftigen Palästina beanspruchte, das Israel aber als untrennbaren Bestandteil seiner Hauptstadt betrachtet. Die Verhandlungen mit Israel waren Mitte vergangenen Jahres unter anderem daran gescheitert, dass Arafat es ablehnte, sich Ost-Jerusalem mit den heiligen Stätten der Moslems, Juden und Christen mit Israel als Hauptstadt zu teilen.

Am Samstag hatte die israelische Armee vorübergehend die Stadt Beit Hanun im Norden des Gaza-Streifens besetzt, um Hamas-Mitglieder zu verhaften. Die Soldaten konnten nach Militärangaben zehn von ihnen fassen und zerstörten das Wohnhaus des Hamas-Chefs der Stadt sowie ein Haus, das für "terroristische Tätigkeit" benutzt worden sei. Bei dem Vorstoß erschossen die Soldaten vier Palästinenser.

Ein Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Raanan Gissin, sagte am Sonntag, die Einsätze gingen weiter, bis Arafat seinen Verpflichtungen nachkomme. Zu den Vereinbarungen, die den Aufstand hatten stoppen sollen, gehört die Verhaftung der Drahtzieher in den selbstverwalteten Teilen der besetzten Gebiete. Ein Minister Arafats, Saeb Erekat, sagte im US-Fernsehen, die israelischen Operationen machten Polizeirazzien unmöglich. Arafat könne noch nicht einmal einen Polizisten von einem Ort zum anderen verlegen, sagte er CNN.

Arafats ließ am Sonntag im Westjordanland jedoch von der Polizei zwölf Niederlassungen der radikal israelfeindlichen Organisationen Hamas und des Islamischen Dschihad schließen, nachdem 13 dieser Einrichtungen im Gaza-Streifen die Arbeit hatten einstellen müssen. Ihnen sind Ambulanzen und Wohlfahrtseinrichtungen angegliedert, aber auch Zeitungen und Kulturhäuser. Das soziale Engagement für die Armen hat Hamas und Dschihad Ansehen unter den drei Mill. Palästinensern eingebracht, das in dem Maße wächst, wie der Aufstand und die israelischen Gegenmaßnahmen das Elend der Bevölkerung vergrößern.

Au

s dem Inhalt der Arafat-Ansprache am Sonntag verlautete vorab aus Regierungkreisen, er wolle zum Ende der bewaffneten Konfrontation mit Israel aufrufen und die alleinige Zuständigkeit seiner Regierung für die selbstverwalteten Gebiete gegen die Ansprüche von Hamas und Dschihad betonen. Israel hatte am Donnerstag die Beziehungen zu ihm und seiner Regierung mit der Begründung abgebrochen, er habe die Lage nicht mehr unter Kontrolle und sei als Verhandlungspartner nichts mehr wert.

Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat zu einem Ende der Gewalt und zu einem Stopp anti-israelischer Anschläge aufgerufen. Arafat versprach in einer am Sonntag vom palästinensischen Fernsehen direkt übertragenen Rede, Attentäter zur Rechenschaft zu ziehen. Den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon beschuldigte er, einen "ungerechten" Krieg gegen das palästinensische Volk zu führen. Verhandlungen seien der einzige Weg, den Konflikt zu lösen, sagte Arafat. Nach den Militäraktionen durch die israelische Armee sitzt Arafat seit Anfang Dezember in Ramallah im Westjordanland fest.

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