Arafat und Barak sprachen per Telefon miteinander
Konkrete Schritte zur Entspannung im Nahen Osten

Bei einem Nahost-Krisengipfel mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau hat Palästinenserpräsident Jassir Arafat gegenüber Israels Regierungschef Ehud Barak seinen Willen zum Frieden bekundet. Arafat habe Barak vom Kreml aus am Freitag telefonisch zugesichert, dass er alles tun werde, um die Gewalt im Nahen Osten zu beenden, sagte ein Sprecher Baraks.

afp MOSKAU/JERUSALEM. Arafat und Barak einigten sich laut Baraks Büro außerdem auf die Wiedereröffnung der gemeinsamen Sicherheitsbüros, die am Vortag wegen eines tödlichen Anschlags im Gazastreifen geschlossen worden waren. Die israelische Regierung will sich angesichts der Kritik aus den USA an den jüngsten Vergeltungsschlägen gegen Palästinenser mit derartigen Gewaltmaßnahmen vorerst zurückhalten. Israels Vize-Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte, es gehe darum, wirkungsvoll zu reagieren, nicht jedes Mal sofort zurückzuschlagen. Die Gewalt in den Palästinensergebieten hielt unterdessen an.

Arafat telefonierte in Moskau mit Barak

Nach Angaben des Kreml sprach Arafat in Putins Anwesenheit mit Barak. Bei dem kurzen Krisengipfel von Putin und Arafat in Moskau telefonierte zuvor auch der russische Präsident mit dem israelischen Regierungschef. Putin drängte zu Beginn seiner Beratungen mit Arafat darauf, die Gewalt im Nahen Osten einzudämmen. Arafat äußerte seinerseits die Hoffnung auf eine politische Lösung des Konflikts. Das Moskauer Treffen, dessen Dauer der Kreml ursprünglich mit drei Tagen angegegen hatte, war nach wenigen Stunden zu Ende. Die Vorschläge der russischen Friedensinitiative wurden nach Angaben des Moskauer Außenministeriums an beide Seiten weitergeleitet. Genaueres darüber wurde zunächst nicht bekannt. Arafat hatte Putin in einer Eilbotschaft am Mittwoch aufgefordert, die diplomatische Initiative im Nahost-Konflikt zu ergreifen und alles zu tun, um "israelische Angriffe gegen das palästinensische Volk" zu stoppen.

Sneh sagte im Armeerundfunk, das israelische Sicherheitskabinett habe am Donnerstagabend grünes Licht für eine Reihe von Operationen gegeben, um Attentate zu verhindern und deren Drahtzieher zu bestrafen. Sneh war vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts am Kontrollpunkt Eres mit Arafats Stabschef Tajeb Abdelrahim zusammengetroffen, um über eine Eindämmung der Gewalt zu sprechen. Das Sicherheitskabinett bevollmächtigte Barak, der auch als Verteidigungsminister amtiert, ohne vorherige Konsultationen Vergeltungsangriffe gegen die Palästinenser anordnen zu können.

Sicherheitskabinett verabschiedet eine Reihe von Maßnahmen

Das Gremium war am Abend zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden zusammengetreten, um über die Reaktion Israels nach dem Attentat auf einen jüdischen Bus zu beraten. Bei dem Anschlag in der Stadt Hadera im Norden von Tel Aviv waren am Mittwoch zwei Israeli getötet und mindestens 50 verletzt worden. Am Freitag bekannten sich die Moslem-Extremisten von Hamas zu der Tat. Am Donnerstag waren ferner zwei israelische Soldaten getötet worden.

Der israelische Oppositionführer Ariel Scharon vom rechtsgerichteten Likud-Block lehnte Baraks Vorschlag zum Beitritt in eine nationale Notstandsregierung ab. Scharon sagte zur Begründung, der Regierungschef habe seine zögerliche Politik in Sachen Sicherheit für die israelische Bevölkerung nicht geändert. Außerdem könne seine Partei Baraks Haltung zu Jerusalem, zum Jordantal und zum Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge nicht akzeptieren. Präsident Mosche Katzav hatte an Barak und Scharon appelliert, sich zusammenzuschließen.

Neue gewaltsame Auseinandersetzungen

Nach dem moslemischen Freitagsgebet kam es in den palästinensischen Autonomiegebieten zu neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen. Ein Israeli starb durch einen Bauchschuss, als er mit seinem Auto in der Nähe des Ortes Awsarin südlich von Nablus unterwegs war. In Ramallah wurden mindestens fünf Palästinenser verletzt, als die israelische Armee mit Gummi-ummantelten Geschossen feuerte. Zwei in den vergangenen Tagen verwundete Palästinenser erlagen ihren Verletzungen. Bei den seit Ende September andauernden Unruhen wurden damit mehr als 270 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

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