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Arafat und Peres zu Gesprächen in Mallorca

Israels Außenminister Schimon Peres und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat sind am Freitag in Mallorca zu einem ersten Treffen seit der Vereinbarung einer Waffenruhe Ende September eingetroffen. Die beiden wollten am Rande einer Wirtschaftskonferenz in dem Ferienort Formentor zusammenkommen, um dem Friedensprozess neue Impulse zu verleihen.

rtr FORMENTOR. Peres hatte sein Land zuvor aufgefordert, einige jüdische Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten zu räumen und Friedensverhandlungen auch ohne ein vollständiges Ende der Gewalt zu beginnen. Peres dämpfte nach der Ankunft in Formentor allerdings die Erwartungen an die Gespräche: "Wir wurden zu einer Wirtschaftskonferenz eingeladen. Und dabei geht es nicht nur darum, Arafat zu treffen."

Trotz Kritik von rechten Vertretern seiner Likud-Partei hatte Israels konservativer Ministerpräsident Ariel Scharon seinem sozialdemokratischen Außenminister die Erlaubnis zu dem Treffen gegeben. Formelle Friedensgespräche will der israelische Regierungschef jedoch erst dann zustimmen, wenn Arafat die Gewalt in den Palästinensergebieten stoppt.

Bei einem Arbeitsessen der Konferenzteilnehmer in Formentor wurden Arafat und Peres am selben Tisch platziert. Daneben saßen der Gastgeber, Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar und Ägyptens Präsident Husni Mubarak. Peres hatte im Vorfeld erklärt, er werde mit Arafat nicht verhandeln, ihn aber sicher treffen. Beide sitzen am Samstag gemeinsam auf dem Podium eines der Diskussionsforen der Konferenz.

Arafat und Peres hatten sich zuletzt am 26. September in Gaza-Stadt getroffen, um eine von den USA vermittelte Waffenruhe-Vereinbarung zu festigen. Doch das Abkommen erwies sich als brüchig und konnte die Eskalation der Gewalt nicht stoppen. Nach den Anschlägen in New York und Washington hatten die USA jedoch den Druck auf Israel verstärkt, mit den Palästinensern auf dem Verhandlungsweg zu einer Lösung zu kommen. Die USA bemühen sich in der islamischen Welt um Unterstützung für ihren Feldzug in Afghanistan.

Die von Scharon forcierte Politik der Besetzung selbstverwalteter palästinensischer Städte sowie die gezielte Tötung mutmaßlicher moslemischer Extremisten hatten in der arabischen Welt jedoch zunehmend Unmut und Empörung ausgelöst.

Peres hatte in einem am Freitag veröffentlichten Interview gefordert, von den von Scharon gesetzten Bedingungen für Friedensgespräche mit den Palästinensern abzurücken: "Ich würde Friedensgespräche auch während gewaltsamer Auseinandersetzungen führen, weil man Feuer nicht mit Feuer allein stoppen kann." Im Gespräch mit der Tageszeitung "Maariv" sagte Peres ferner: "Ich glaube, die Landkarte mit den Siedlungen macht vieles schwierig für Israel und hält es davon ab, eine Landkarte der Sicherheit und des Friedens zu entwerfen." Die Räumung einiger Siedlungen habe nichts damit zu tun, dass man den Palästinensern einen Gefallen tue. "Einige Siedlungen ziehen die Gewalt an und haben keine Zukunft", sagte er der Zeitung.

Israel hat die Siedlungen in den seit 1967 besetzten Palästinenser-Gebieten errichtet. Sie sind international nicht anerkannt und waren das Ziel zahlreicher Angriffe bewaffneter Palästinenser seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen Israel vor mehr als einem Jahr.

Er danke Gott, dass Peres den Mut habe, auf diese Art über die Siedlungen zu reden, "und das in einer Regierung von Siedlern", sagte ein hochrangiger Berater Arafats. Voraussetzung für Frieden sei jedoch die Aufgabe aller Siedlungen, fügte er hinzu.

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