Arafat wirft Israel Politik der Eskalation vor
Israel demonstriert Stärke in Ost-Jerusalem

Israel hat am Freitag mit einer Demonstration militärischer und politischer Stärke auf den blutigen Terroranschlag in Jerusalem reagiert. Polizisten besetzten das Orient-Haus in Ost-Jerusalem und damit das Symbol des palästinensischen Anspruchs auf einen eigenen Staat. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat warf Israel eine Politik der Eskalation vor.

ap JERUSALEM. Bei der Besetzung des Orient-Hauses wurden sieben Wachleute verhaftet. Ebenfalls geschlossen wurden neun Büros der palästinensischen Polizei im Westjordanland und Regierungsgebäude in Abu Dis bei Jerusalem. Kampfflugzeuge des amerikanischen Typs F-16 griffen in Ramallah im Westjordanland das Polizeihauptquartier an und zerstörten es. In Erwartung von Vergeltungsangriffen war das Gebäude bereits geräumt, so dass niemand verletzt wurde. Es handelte sich um die ersten israelischen Luftangriffe auf palästinensische Gebiete seit Mai.

Im Gazastreifen beschossen israelische Panzer einen palästinensischen Polizeistützpunkt im Gazastreifen. Dabei kam es Augenzeugen zufolge zu einem kurzen Schusswechsel mit Palästinensern. Danach rückten Bulldozer vor und zerstörten das Gebäude.

Schwerer Rückschlag für den Friedensprozess

Die ergriffenen Maßnahmen sollten die Regierung Arafats dazu bringen, ihre Verpflichtungen zum Kampf gegen die Gewalt zu erfüllen, sagte Kabinettsminister Gideon Saar nach einer nächtlichen Sondersitzung des Sicherheitskabinetts. Arafat warf Israel hingegen vor, einen Stufenplan zur Rückgewinnung palästinensischer Gebiete umzusetzen. "Dieser Angriff ist gegen das palästinensische Volk gerichtet und Teil einer israelischen Eskalation", sagte Arafat bei einer Besichtigung der in Ramallah angerichteten Schäden.

Bei dem Bombenanschlag vom Donnerstag wurden 16 Menschen getötet - unter ihnen der Selbstmordattentäter - und nahezu 100 verletzt. Zu der Bluttat bekannten sich die militanten Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad. Der von Dschihad als Täter benannte Mann hielt sich am Freitag jedoch in seinem Haus im Westjordanland auf. Die Hamas erklärte, der Anschlag sei von dem 23 Jahre alten Issedine el Masri verübt worden. Es habe sich um Vergeltung für einen israelischen Hubschrauberangriff gehandelt, bei dem in der vergangenen Woche acht Menschen in Nablus getötet worden seien.

Der Terrorakt wurde weltweit verurteilt, auch von Arafat. US-Präsident George Bush erklärte, Arafat müsse die Verantwortlichen hinter Gitter bringen. Russland rief am Freitag beide Seiten zur Mäßigung auf. Die israelische Regierung und die palästinensische Autonomiebehörde sollten auf alle Handlungen verzichten, die die Lage nur noch weiter komplizierten, erklärte das Außenministerium am Freitag in Moskau. In einem Telefongespräch sprach Außenminister Igor Iwanow seinem israelischen Kollegen Schimon Peres Beileid aus.

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