Arafat erklärt Ausnahmezustand
Anschläge erschüttern Israel

Mit einer beispiellosen Serie von Selbstmordanschlägen in Haifa und Jerusalem haben palästinensische Extremisten am Wochenende innerhalb von zwölf Stunden mindestens 25 Israelis getötet. Die Lage im Nahen Osten hat sich damit erneut gefährlich zugespitzt.

dpa HAIFA/JERUSALEM. Palästinenserpräsident Jassir Arafat erklärte Stunden nach den Anschlägen den Ausnahmezustand im Westjordanland und im Gazastreifen. Die israelische Armee verhängte eine vollständige Blockade über sämtliche palästinensischen Städte und Dörfer. Zu den Anschlägen, die weltweites Entsetzen auslösten, bekannte sich der bewaffnete Arm der radikalen Hamas-Organisation, Issedin al Kassam. Bei weiteren gewaltsamen Zwischenfällen im Westjordanland, Gazastreifen und Jerusalem wurden ein Israeli und drei Palästinenser getötet. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verkürzte seinen Besuch in den USA und wollte bereits an diesem Montag zurückreisen.

US-Präsident George W. Bush verurteilte die Gewalt aufs Schärfste und verlangte von Arafat, die Extremisten zu verhaften. Bundeskanzler Gerhard Schröder, Außenminister Joschka Fischer und die EU forderten Arafat zum energischen Handeln gegen die Terroristen auf. Die "verbrecherische menschenverachtende Gewalt" müsse endlich ein Ende finden, schrieb Schröder an Scharon. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak drückte sein Bedauern aus.

Die Serie der Gewalttaten hatte am Samstagabend kurz vor Mitternacht auf einem von Hunderten junger Israelis besuchten Platz vor einer Einkaufspassage im Zentrum von West-Jerusalem begonnen. Dort sprengten sich zwei Selbstmordattentäter gleichzeitig in die Luft. Der Explosionsdruck war so groß, dass die Attentäter acht Israelis mit in den Tod rissen. Zwei der 180 zum Teil lebensgefährlich Verletzten starben später in Krankenhäusern Jerusalems. Wenige Minuten nach dem Anschlag explodierte in einer Seitenstraße eine Autobombe und löste zusätzliche Panik unter den Passanten und den Rettungsmannschaften aus.

Zwölf Stunden später zündete ein palästinensischer Extremist in einem Linienbus in der nord-israelischen Hafenstadt Haifa den um seinen Leib geschnallten Sprengsatz und tötete dabei 15 Israelis und sich selbst. Es war der bisher schwerste Terroranschlag in Haifa. 40 Fahrgäste wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Augenzeugen beschrieben grauenhafte Szenen und berichteten, der Bus sei durch die Wucht der Explosion in die Luft geflogen und völlig zerstört worden. "Ich sah Menschen durch die Luft fliegen", berichtete ein Augenzeuge. "Überall lagen Körperteile herum, meine Frau fiel in Ohnmacht, weil sie solche schrecklichen Dinge sah," schilderte ein anderer.

US-Vermittler Anthony Zinni, der am Mittag den Ort des Anschlags in Jerusalem besuchte, sprach von dem "abgrundtiefsten Bösen, das man sich vorstellen kann". Dennoch rief er beide Seiten dazu auf, ihre Friedensbemühungen nicht aufzugeben: "Wir müssen in dieser Angelegenheit vereint bleiben, wir müssen dies hier bekämpfen." Aufgebrachte Passanten beschimpften Zinni und riefen, er solle in die USA zurückreisen. Auch Scharon forderten die Demonstranten in Sprechchören zum Rücktritt auf.

Das israelische Sicherheitskabinett billigte auf einer Sondersitzung am Vormittag Vorschläge von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser und von Generalstabschef Schaul Mofas für eine israelische Reaktion. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Die palästinensische Autonomiebehörde hatte am Sonntagmorgen die blutigen Terroranschläge in Jerusalem verurteilt. In einer Stellungnahme bezeichnete Arafat die Attentate als "offene Herausforderung", die dem internationalen Ansehen der Palästinenser schade. Am Nachmittag verhängte Arafat den Ausnahmezustand über die autonomen Gebiete und verbot allen Palästinensern mit Ausnahme der Polizei das Tragen von Waffen. Man werde alles tun, um die Hintermänner der Anschläge zur Verantwortung zu ziehen.

Bei einem Überfall bewaffneter Palästinenser im Gazastreifen kam am Sonntag ein Israeli ums Leben, die beiden palästinensischen Täter wurden von Soldaten erschossen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks erschoss ein jüdischer Wachmann im arabischen Ostteil Jerusalems einen Palästinenser, der ihm seine Waffe wegnehmen wollte.

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