Arafats Amtssitz weiter belagert
Naher Osten am Abgrund zum umfassenden Krieg

Blutige Selbstmordanschläge in Israel und Panzer im Autonomiegebiet der Palästinenser: Der Nahe Osten droht in einer beispiellosen Welle von Gewalt und Vergeltung zu versinken. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte, Israel befinde sich im Krieg, und bezeichnete den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat erneut als Feind und Gefahr für die gesamte Region.

wiwo/ap JERUSALEM. Am Montag weitete Israel seine Offensive im Westjordanland aus. Panzer rückten am Morgen in Bethlehem ein und stoppten rund 500 Meter vor der Geburtskirche. Außerdem marschierten israelische Truppen nach Beit Dschala ein. Vier der Selbstmordattentäter, die in den vergangenen fünf Tagen Anschläge in Israel verübten, kamen aus Bethlehem und Umgebung. Begonnen hatte die Ausweitung der Offensive am Sonntagabend mit der Besetzung von Kalkilja. Generalleutnant Schaul Mofas kündigte an, die "Operation Schutzwall" werde umfassend und von langer Dauer sein.

In Ramallah wurde Arafat den vierten Tag in Folge daran gehindert, sein Büro zu verlassen. Israelische Einheiten waren am Karfreitag in Arafats Amtssitz vorgedrungen und besetzten dort mehrere Gebäude. "Präsident Arafat ist eine Geisel", sagte der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath am Sonntag in Kairo und kritisierte zugleich, dass die US-Regierung von einem Recht der Israelis auf Selbstverteidigung spreche. Er forderte die arabischen Staaten zur Solidarität auf. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilte die israelische Besatzungspolitik am Montag scharf.

Sicherheitsrat fordert Israel zum Rückzug auf

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete in der Nacht zum Samstag eine Resolution, die den Rückzug Israels aus palästinensischen Städten forderte. Ferner wurde an beide Parteien appelliert, sich sofort auf einen "bedeutsamen Waffenstillstand" zuzubewegen. Die Resolution wurde ohne Gegenstimme angenommen, auch die USA stimmten zu.

Scharon verteidigte das israelische Vorgehen am Sonntagabend in einer Fernsehansprache mit den Worten: "Der Staat Israel befindet sich im Krieg, im Krieg gegen den Terrorismus. Es ist ein Krieg, der uns aufgezwungen wurde." Arafat bezeichnete er als "Kopf einer Koalition des Terrorismus", als Feind Israels und der gesamten freien Welt.

Vor Scharons Ansprache kam es binnen weniger Stunden zu zwei Selbstmordanschlägen. In einem voll besetzten Restaurant in Haifa sprengte sich am Sonntag ein Palästinenser in die Luft und riss 14 Israelis mit in den Tod, mehr als 40 weitere Personen wurden verletzt. In der Siedlung Efrat im Westjordanland zündete kurz darauf ein Attentäter einen Sprengsatz und verletzte vier Menschen. Erst am Samstagabend waren bei einem Selbstmordanschlag in einem Café in Tel Aviv 32 Menschen verletzt worden. Im Westjordanland wurden am Montag die Leichen von drei Palästinensern erschossen, denen Kollaboration mit Israel vorgeworfen wurde.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser sagte am Montag im israelischen Radio: "Wir verteidigen unser Zuhause. Wir haben keinen anderen Platz." Die Strategie der Streitkräfte sei es, den Terror zu bekämpfen, seine Infrastruktur zu treffen.

Angesichts der Eskalation im Nahen Osten warnten mehrere europäische Regierungen Israel eindringlich vor einer Demontage Arafats. Die Belagerung von Arafats Amtssitz verschlimmere die Lage lediglich, erklärte der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar, dessen Land die EU-Präsidentschaft innehat. Die Bundesregierung forderte Israel eindringlich auf, Arafats Unversehrtheit zu garantieren. Außenminister Joschka Fischer erklärte am Sonntag, die Autonomiebehörde müsse ihre Handlungsfähigkeit zurückerhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%